Unwiederbringlich verloren –Jüdisches Leben in Kittsee vor 1938
Irmgard Jurkovich
65 Jahre sind seit jenem Datum( 15. 4. 1938) vergangen, an dem sichin Kittsee und in der Folge dann auch im übrigen Burgenland undösterreichweit- ein schreckliches Kapitel unserer Orts- und Heimat-geschichte ereignete, das ein Volk, das Jahrhunderte hier beheimatetwar, auslöschte: die Juden.
Wenn sich die Burgenländischen Volkshochschulen die Mühemachen, um in Form einer Wanderausstellung die Spuren der zerstör-ten jüdischen Gemeinden im Burgenland zu sichern, so tun sie es in derMeinung, dass auch eine positive Assoziation mit der jüdischen Kul-tur, die immer wieder nur in Verbindung mit den nationalsozialisti-schen Verbrechen erwähnt wird, möglich sein müsste. Nicht nur diehistorische Rückblende ist in den Mittelpunkt gestellt, sondern derBlick richtet sich auch auf die Gegenwart, welche Spuren jüdischerKultur in unseren Dörfern noch anzutreffen sind und wie sich die Plät-ze und Orte einstigen jüdischen Lebens im Burgenland heute präsen-tieren.
Hier wird nun versucht, einen Einblick in die bzw. Überblick überdie Historie der Juden von Kittsee, über das, was einst war und heutenoch ist oder nicht mehr ist, zu geben. Die ersten sicheren Spuren vonJuden auf dem heutigen Gebiet des Burgenlandes führen in das13. Jahrhundert. Im 16. Jahrhundert begannen die westungarischenGrundherren, ihre vielfach brachliegenden Besitzungen in funktionie-rende Agrarbetriebe umzuwandeln. In verödeten oder von Türken ver-wüsteten Dörfern wurden Kroaten angesiedelt, und zur Intensivierungdes Warenhandels ließen die Grundherren jüdische Händler ins Land.Zigeunern Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunern wurde die Ansiedlung gestattet, da man sie als Schmiedebenötigte. Die ethnische wie auch religiöse Vielfalt hat sich bis heute-mit Ausnahme der Juden- im Burgenland erhalten.
Der Beginn einer kontinuierlichen jüdischen Besiedlung ist jedocherst im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts zu verzeichnen. Die ersteurkundliche Erwähnung Kittseer Juden geht auf das Jahr 1648 zurück,dabei ging es um einen Streit der Lederzunft zwischen Preßburg undKittsee bzw. der Familie Liszty. 1663 wird ein„ Weima Jud zu Kittsee“
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