schneider, der es vielen jungen Menschen ermöglichte, daß sie bei ihmin die Lehre gehen durften. Sie erlernten das Handwerk so gut, daß siesich später damit ihr Brot verdienen konnten. Herr Samuel Singersowie Herr Hecht hatten je einen Fleischerladen. Auch sie hatten Män-ner in ihren Betrieben beschäftigt, die dadurch den Unterhalt für ihreFamilien verdienten. Das Textilgeschäft von Herrn Moritz Zopf halfvielen Bürgern von Kittsee in der damaligen Zeit, Einkäufe zu tätigenund die gekaufte Ware später durch kleine Raten zurückzuzahlen. Eini-ge Juden hatten einen Krämerladen. Herr Singer machte auch Hausbe-suche, bot seine Ware in bescheidenem Ausmaß an und half damit oftmancher Hausfrau, daß sie ihre Kinder nicht allein lassen mußte.
An Feiertagen wie Ostern oder bei Hochzeiten und Taufen durftenauch die Christen mitfeiern. Ostern, das größte Fest der Juden, wurdemit einer gewissen Strenge gefeiert, Brot durfte dann nicht gegessenwerden. Ihr Osterbrot nannten sie Mazzes, von dem auch Mazzes-knödel gemacht wurden( für Suppen), die, richtig gut gewürzt, feinschmeckten. Mazzes wurde uns als kleine Aufmerksamkeit ihres gro-Ben Festes geschenkt.
Das Oberhaupt der jüdischen Gemeinde war der Rabbiner, HerrLeopold Perls[ Armin Perls, A.d.V.]. Er hatte Frau und zwei Töchtersowie einen Sohn, der im Ersten Weltkrieg gefallen war. Er bewohnteeinen Teil des Stockwerkes im Tempel. Die Hochzeiten seiner Töchterwurden ganz groß aufgezogen. Die Braut trug ein weißes Kleid, denSchleier tief ins Gesicht gezogen. Erst wenn die Trauung vorbei war,durfte sie den Schleier hochheben. Dem Bräutigam wurde von derBrautmutter vor dem Tempel vor allen Gästen, die sich im Kreis auf-gestellt hatten, ein Glas vor die Füße gestellt. Der Bräutigam mußte esmit dem Fuẞ zerbrechen. Das sollte dem Brautpaar für ihr zukünftigesLeben Glück bringen.
Eine Taufe für Mädchen fiel weniger feierlich aus. Dagegen durftenwir bei der Taufe von Buben nicht teilnehmen, da die Beschneidungder Buben ein ganz großes Zeremoniell war. Der Rangzweite war HerrSchapierer[ Jakob Schapira, A.d.V.], bei uns Katholiken im Rangeeines Kaplans. Er führte auch das Amt eines Schachters aus, d. h. ihmoblag es, daß das geschlachtete Vieh, Rind oder Geflügel, koscher odertreffe war. Das Schlachtmesser war so scharf, daß es ihm meistensgelang, mit einem Schnitt das Tier zu töten und somit zum Genuß frei-zugeben.
Der Sabbat begann Freitagabend, d. h. Freitagabend versammeltensich die Juden vor dem Tempel, unterhielten sich und tauschten Neuig-
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