Abb. 8-10: jüdischer Friedhof Kittsee
Ein jüdischer Friedhof besteht aber nicht nur aus Grabsteinen, dasWichtigste sind die dort Begrabenen. Im jüdischen Friedhof von Kitt-see finden sich Inschriften auf Steinen vom 18. Jahrhundert bis zumJahr 1938. Sie sind die einzigen stummen Zeugen für den Bestandeiner jüdischen Gemeinde in Kittsee. Das aufliegende Quellenmateri-al, die Urkunden und die entzifferten Grabinschriften ermöglichen dieAufhellung und Erläuterung verschiedener Zusammenhänge der Kitt-seer Judengemeinde. Anhand der Steine mit ihren Inschriften undSymbolen können wir Kulturgeschichte über Jahrhunderte zurückver-folgen. Jüdische Friedhöfe sind Sinnbilder der Vergänglichkeit allenLebens, sind gewachsene Landschaften des Todes. Sie verstehen sichals Widerstand als Widerstand gegen Unwissenheit und Vergessen,
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gegen Verleumdung und Wiederaufleben von Gewalt und Schrecken.Jüdische Grabmäler und Friedhöfe gehören für ewige Zeiten den inihnen bestatteten Toten und dürfen nicht angetastet werden. Nach jüdi-scher Tradition darf niemand den Toten ihre Würde in der Ruhe neh-men. ,, Haus des Lebens" wird der Friedhof der Juden bezeichnet. Esist daher grundfalsch, wenn man bei geschlossenen jüdischen Friedhö-fen von ,, ehemaligen" oder„, aufgelassenen" Orten spricht. Einen ,, ehe-maligen" Friedhof kann es nicht geben, denn er ist bet olam, Stätte derEwigkeit. Jeder Friedhof ist somit von einem unvergleichlich höheren,, religiösen" Wert als etwa eine ehemalige Synagoge.
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