Abb. 2: Kittsee, Herrengasse vor 1938
Die Geschichte der burgenländischen Schutzjuden ist eng mit derkulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes verknüpft.Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, dass die burgenländischeVielfalt das Ergebnis ökonomischer und politischer Strategien derGrundherrschaft war, die in erster Linie ihre eigenen Interessen ver-folgte. Es ist somit nur bedingt berechtigt, den damaligen Landadel indas milde Licht der Philantropie zu stellen, weil ihm das Zusammen-leben von Katholiken, Protestanten, Juden, Ungarn, Kroaten, Romaund Deutschen zu verdanken war. Die Ansiedlung von Juden erfolgtedaher also weniger aus humanitären, sondern ausschließlich aus wirt-schaftlichen Gründen. Die Perioden des friedlichen Zusammenlebensbzw. des friedlichen Nebeneinanders mit der christlichen Umgebungwechselten mit Zeiten der Verfolgung und Ablehnung. Unter der Tole-ranzpolitik Kaiser Josephs II.( 1780–1790) wurden erste Verbesserun-gen der Lage der Juden getätigt.
1735 zählte die jüdische Gemeinde Kittsee 155 Erwachsene und111 Kinder. Einen zahlenmäßigen Höhepunkt verzeichnet das Jahr1821, als in Kittsee 789 Juden lebten. In den folgenden Jahren undJahrzehnten kam es jedoch zu einer starken Abwanderung, da die bes-seren Bedingungen in den nahen Städten wie Wieselburg( Moson),Preßburg( Bratislava) und Wien für Händler verlockend waren. So leb-
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