angeführten Holzschnittes ein Beweis für die Bedeutung der von den Engelnüber Maria gehaltenen Krone, die nur der Gottesmutter gebührt.
Überblicken wir noch einmal alles, so kommen wir zu dem Schlusse, daßdie Behauptungen, das Ursprungsbild der Ähren- Muttergottes stamme ausMailand und stelle Maria als Tempeljungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Tempeljungfrau dar, nicht zu halten sind.
Die das exegetische Schrifttum auswertende Erklärung
R. Berliner ging, von den bisherigen Untersuchungen über dieÄhren- Muttergottes unbefriedigt, von der richtigen Annahme aus: Ist dasÄhrenkleid der Maria sinnbehaftet, dann müssen Glaubensschriften darüberAuskunft geben können. Es war ihm klar, daß man diese Nachschau nichtin der hl. Schrift halten dürfte, sondern daß in diesem Falle einzig dieExegese weiter helfen könnte. Berliner sieht in der Maria der genanntenBilder die Hervorbringerin der Ähren und stellt sich die Frage, ob fürMaria sinnbildliche Ausdrücke nachzuweisen wären, in welchen sie als Feld( ager, campus) bezeichnet wird. Sein Nachforschen in den exegetischenSchriften brachte reiche Ernte und führte zu neuer Erkenntnis. Maria, alsein noch nicht bepflügtes, nicht bestelltes Feld gedacht, ist bei griechischenKirchenvätern vom 3. Jahrhunderte an zu belegen( Beispiele vom 3. Jahr-hunderte bis zum 9. Jahrhunderte) und ebenso bei lateinischen Exegetenvon Venantius Fortunatus( † um 600) angefangen über Jakobus des Voragine( f wahrscheinlich 1298) bis zu Dionysius dem Kartäuser( † 1471), womit wirin historischer Abfolge bis in die Zeit gelangen, in der die Bilder von derÄhrenmadonna geläufig werden. Als schönste Stelle sei genannt:( Mariacampus) ibi enim crevit frumenti illius pretiosi granum, quo pascunter aveset animalia, angeli scillicet et fideles simplices in sacramento altaris....( Albert d. Gr., † 1280, Mariale; bei Berliner S. 108).
Mit diesen Untersuchungen wurde die Erkenntnis der Ähren- Mutter-gottes um ein gutes Stück weiter gebracht. Die Ergebnisse sind, kurz zusam-mengefaßt, folgende.
1. Die Zeugnisse des exegetischen Schrifttums sind letzthin mittelmeer-ländischer Herkunft. 2. Wir haben eine zeitliche Abfolge vom 3. Jahrhundertbis in das späte 15. Jahrhundert vor uns, die schließlich auf deutschen Bodenführt und bis in die Barockzeit und darüber hinaus reicht. In deutschenKirchenliedern des 15. Jahrhunderts ist Maria die„ fruchtbare ern", die das,, weissenkörnli", Christus, geboren hat und ein Erbauungsbuch 31) mit demTitel„ Marianischer Gnadenhimmel mit 12 Sternen geziert...", Augsburg1795, bringt folgende Stellen:„ Sey gegrüßet, o Maria! du gesegnetes Erd-reich! das uns den Heiland getragen-";„ du fruchtbarer Acker";„ Ein feld,das Gott gebenedeyt-";„ du reines und unbeflecktes Erdreich, dessen ge-benedeyte Frucht das Heil der ganzen Welt hervorgebracht hat." 3. Wirhaben es nicht mit bloßen schmückenden, in der Schreibstube ausgesonnenenVergleichsbildern zu tun. Diese Zeugnisse entstammen letzten Endes einersehr alten bauerntümlichen Grundüberlieferung. 4. Die aus dem Süden ge-kommenen Zeugnisse eines christlichen Schrifttumes fanden im Norden, aufdeutschem Boden in volkstümlichen Kreisen einen willkommenen Anklang.Der Boden war hiefür vorbereitet durch das ländliche Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum.
31) Erwin Richter, Die drei Ähren ein seltenes silbernes Fruchtbarkeits--votiv( Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1953, S. 83 f.).
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