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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
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zügen in die Nachbardörfer, wo man mit Rosinen und alkoholhältigen Getränkenaufwartet. Nur im Hause des Archianastenaris wird ein Symposion mit Früchtender Erde abgehalten: Man setzt sich und iẞt Bohnen, Zwiebel, saure Äpfel undBrot. Abschließend erfolgt ein zyklischer Tanz um die Wegkreuzung vor dem Dorf( dort wird auch ein Feuer entzündet), um das Konak oder die Kirche( zur Abwehrvon Übel). Beim letzten Rundtanz spielen die Musikanten den Rhythmus der Auf-lösung( Apolyse) und ein Lied aus dem akriteischen Zyklus wird gesungen. Derletzte Feuergang wird angetreten: das Heiligste vom Heiligen des Anastenaria-Kults, die höchste Darbietung der eigenen Existenz an den Heiligen. Mit emporge-streckten Händen( Ikone) kreisen die Tänzer, stampfen mit den Füßen und rufenden Heiligen an; nur röchelndes Luftschöpfen ist zu hören, selten Worte.- Dannberuhigt man sich, küßt die Ikone und gibt sie dem Archianastenaris zurück. Dieletzten Entrückten ziehen in die Wälder oder ziehen sich auf Gipfel von Hügelnzurück und suchen Ruhe und Hysterielösung. V. Kakuri, 1963: 9 ff.

1.6.3.6. Sonstiges

913) ó báyxoç. I. Lesbos( 11 b), Flüchtlinge aus Adramyttion( 3, 1 a). II. Reiner Mon-tag. III. Fünf bis sechs Personen steckten ihre Beine durch die Löcher einer Kiste,um zu gehen. Die ebene Fläche oben auf der Kiste war voll von Imbissen, Gläsern,Raki, Speisen. Neben den Imbissen hatten sie falsche Beine gekreuzt angebracht, soals ob es ihre eigenen wären und sie seien Beys und sitzen und essen. Wir zogendurch alle Viertel, sie wurden angesehen und wir luden sie ein. Das geschah amReinen Montag." V. Hs 1446 B': 159.

914) xapáßt. I. Lesbos( 11 b), Flüchtlinge aus Adramyttion( 3, 1 a). II. Karneval. III.Das Schiff" wird auf Rädern herumgeführt. Der Rauchfang qualmt, denn innenwird mit Stroh geheizt. Die Ausrufer: Wir fahren nach Mytilene! Wir fahrennach Smyrna!" Viele Zuschauer verabschieden sich von ihnen. V. Hs 1446 B': 54.VI. Dasselbe ist auch direkt für Adramyttion belegt( IIII 6/1960, ap. 58, σ.89).

915) Mлαрoбvɩ. I. Tyrnavos( 506, 7 b). II. Reiner Montag. III. Die Frauen schließensich in die Häuser ein. Männer gehen betrunken durch die Straßen und halten großeHolz- und Tonphallen, ergehen sich in Zoten, singen usw. Bis 1875 gab es dazunoch einen König, auf einem Esel reitend. 1930 wurde der Brauch wegen Unsitt-lichkeit von der Behörde verboten. V. Kakuri, 1946: 164 f. VI. Bei F. 1929wird der Brauch Mãoυpavi genannt. Die Meldung vom Eingriff der Behörden gehtdurch die Presse mit dem Hinweis, der Brauch müsse als dionysisches Survival ge-schützt werden.

918) I. Tzanto( 2 ab). II. Reiner Montag. III. In vergangenen Jahren am Reinen Mon-tag morgens kochten Männer mit bunten oepẞétes( kleine Tücher mit Fransen, umden Fez gebunden) am Kopf ein Ei, das hingen sie mit einer Schnur an eine λára( schmales, langes Brett) und gingen ganz langsam, sangen Totenlieder, beklagtenund beweinten es als trügen sie einen Toten zu Grabe, sangen das Lied Christi undvoran zog einer auf einem Esel sitzend. Nachdem sie das ganze Dorf durchzogenhatten, stiegen sie auf eine Anhöhe, die sie Turbé nannten, und setzten es dort bei.Bei der Zweiten Auferstehung( Ostersonntag mittag) gruben sie es wieder aus undfeierten mit Wein und Liedern. Das Eingraben war die Grablegung Christi und dasAusgraben die Auferstehung." V. Stamuli- Saranti, 1954: 282 ff.916)( bei 192, 10 b) Spyridakis, 1941: 417 ff. 917) Makedonovka- Ukraine,Misailidis, 1955: 3092.

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