für die Kurrendesänger vorbestimmt. Die Familie beginnt früh Abend-brot zu essen, damit der Weizen früh reif wird. Am Tisch wird ein Platzauch für den verstorbenen Urvater freigelassen. Der Hausherr be-weihräuchert dreimal die Tafel, um die bösen Kräfte aus dem Hauszu vertreiben. Dann teilt er das Weihbrot, läßt das erste Stück für dieGottesmutter und verteilt den Rest an die Familie, wobei er einen Teilfür die Haustiere aufhebt. Den ganzen Abend werden Segenssprü-che auf Gesundheit und Fruchtbarkeit ausgesprochen:„ Möge derWeizen gedeihen überall, mögen die Ähren so groß sein wie dieLöffel, mögen die Weizenkörner so groß wie die Kornelkirschenwachsen! Mögen die Weintrauben, die Gerste und der Mais gedei-hen! Mögen sich die Lämmer, die Ziegen und die Kühe vermehren!"In dieser festlichen Stimmung erwartet die Familie die koledari( Ko-leda Weihnachten, bed. Kurrendesänger).
Punkt um Mitternacht begeben sich die Gruppen der Kurrendesängerauf den Weg. Sie haben es eilig, da sie in dieser Nacht bis Sonnen-aufgang besondere Kraft besitzen und alle Häuser im Dorf besuchensollen. Die Burschen sammeln sich im Haus ihres„ Zaren". Das istder einzige unter ihnen, der verheiratet ist und wegen seines Anse-hens im Dorf dafür auserwählt wird. Alle tragen Sonntagskleider, ihrePelzmützen sind mit Ketten aus Puffmais, Blumensträußchen ausBuchsbaum mit rotem Faden und mit einem Goldstück geschmückt.In der Hand halten sie geschnitzte Holzstöcke, die bemalt sind. DerZar trägt ein spezielles Weihnachtsbäumchen. Es ist aus einemdreiteiligen Zweig gefertigt, mit roter Wolle und Grün umwickelt undhat an jeder Verzweigung einen Apfel, der mit Blattgold oder Blattsil-ber verziert ist.
Für die Burschen, die an dem Brauch teilnehmen, ist diese Nachteine Prüfung ihrer Kühnheit. Sie verlassen als Jungen das Haus desZaren und gehen als vollberechtigte Männer in den neuen Tag.Den Beginn ihres Rundganges kündigen die Kurrendesänger miteinem Schuß an, der die bösen Kräfte der Nacht verjagen soll. Siegehen zuerst in Richtung Osten, woher die Sonne und der neue Tagkommen. In den Liedern, die sie singen, wird von ihrem langen Weg,, von der unteren Erde" der Urväter erzählt, woher sie kommen, umihren Mitbewohnern aus dem Dorf Glück und Wohlstand zu bringen.Wenn sich zwei Gruppen begegnen, müssen sie gegeneinanderkämpfen. Der Ausgang dieses Kampfes soll die Fruchtbarkeit desJahres beeinflussen.
Die Kurrendesänger werden überall mit Freude und Ungeduld erwar-tet, damit sie die Familie und das Haus segnen. Sie werden an denTisch geladen und mit Wein und Schnaps bewirtet. Die Kurrendesän-ger singen speziell für den Hausherrn bestimmte Lieder, je nachdemob er ein Landwirt, ein Hirte, ein Priester oder ein Maurer ist. Es
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