Simeonstag, der 1. September
Im Kalender der Feiertage der griechisch- orthodoxen Christen ist der1. September dem Heiligen Simeon gewidmet. Er war ein wohltätigerfrommer Mann, der sein Leben mit Fasten und Beten verbrachte. Dasbulgarische Volk begeht diesen Feiertag in Verbindung mit demAnfang des neuen landwirtschaftlichen Jahres, weshalb es den Hei-ligen Simeon, den Pflüger“ nennt.
Der erste Tag des Säens ist für die Bulgaren ein großer Feiertag. VorSonnenaufgang ist die ganze Familie munter. Die Hausfrau zieht sichfestlich an und bäckt das Weihbrot, das unbedingt ein Loch in der Mittehaben muß. Es wird auf glühenden Holzscheiten gebacken, damit derWeizen vor Brand geschützt wird. Der Hausherr schlachtet in einemweißen Hemd ein Opfertier, meistens einen Hahn, für den Acker. Ineinigen Regionen wird das Opfer auf der Saat geschlachtet, damit großeFruchtbarkeit gesichert wird. Die Saat wird am Vorabend des Feiertagesin der Kirche geweiht. Darin werden ein Zweig Basilikum, ein roter Fadenmit darauf gereihten roten Paprikaschoten, Obst, Walnüsse, eine silber-ne Münze oder Asche von dem badnik( dem Klotz, der am HeiligenAbend im Hausherd gebrannt hat), eine Schale von dem roten Osterei,ein Kamm und ein Ring hineingelegt. Diese Gegenstände werden in derHoffnung auf ein ertragreiches und gesegnetes Jahr verwendet.Die Hausfrau legt das Weihbrot und den Wein in einen neuen Beutel.Danach geht die ganze Familie aus dem Hause, um sich von demPflüger und dem Säer zu verabschieden, die zum Acker gehen. MitBlumensträußchen und Grün werden der Wagen, der Beutel mit derSaat, das rechte Horn des Ochsen und der Pflug geschmückt. DieHausfrau gießt Wasser vor den Wagen ihres Mannes mit den Worten:,, Möge das Jahr reich und fruchtbar sein!" Den ganzen Tag bleibt dasHaustor offen, damit eine gute Ernte ins Haus kommt.Nach altem Brauch soll der Pflüger vor Sonnenaufgang auf demAcker sein. Er grüßt mit„ Guten Morgen, Acker", pflügt die ersteFurche und sät die erste Saat. Dann holt er das Brot aus dem Beutel,bekreuzigt sich dreimal, wendet sich nach Osten, um sich vor deraufgehenden Sonne zu verbeugen und bricht das Brot auf derPflugschar in vier Stücke. Das erste Stück wird zu der Sonne nachOsten geworfen, das zweite den Ochsen gegeben. Das dritte in dieErde gegraben und ist für den unsichtbaren Wirt des Ackers, dieRainnatter, bestimmt, und das vierte Stück iẞt der Mann selbst. In dieerste gepflügte Furche werden die Knochen des Opfertiers, einOsterei und das Blumensträußchen aus dem Beutel eingegraben inder Hoffnung, daß sie den Acker beschützen. An diesem ersten Tagarbeitet der Säer solange, bis die Saat aufgebraucht ist und geht erstdann nach Hause, da er nichts nachhause zurückbringen darf.
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