German
Am 12. Mai begeht die griechisch- orthodoxe Kirche den Tag desHeiligen German, des Patriarchen von Konstantinopel, der ein eifrigerGegner des Ikonoklasmus in Byzanz im 8. Jahrhundert war. Das Volkbegeht diesen Feiertag auch in Verbindung mit dem Kultus eineraltertümlichen Gottheit, die von den Thrakern und Slaven verehrt wurdeund die Urgewalten verkörperte. In der Gesinnung des Volkes wirdGerman mit der Naturgewalt verbunden. Um German mild zu stimmen,decken die Leute in Westbulgarien den Tisch am Heiligabend auf demHof und laden ihn zum Abendbrot ein:„ Du German, du eine Wolke,komm mit uns Abendbrot essen. Komm jetzt, denn im Sommer wollenwir dich nicht einmal sehen- weder auf dem Acker, noch auf der Weide.Jetzt haben wir für dich Brot, Obst und Walnüsse vorbereitet, alles istvoll, und an erster Stelle gibt es Schnaps."
Und im Sommer, wenn im Himmel eine Hagelwolke erscheint, zündendie Frauen Kerzen an der Hausschwelle an und fluchen:„, Du, Ger-man, bring den Hagel in die öden Wälder, wo kein Brot gebackenwird, wo kein Hahn kräht!"
Wenn eine lange Trockenheit eintritt, wird in ganz Nordbulgarien nachdem Brauch peperuda(= Regenmädchen) auch der Brauch Germanvollzogen. Die Mädchen machen eine nackte Männerfigur, die Ger-man genannt wird. Während der Vorbereitung der Figur nah amWasser wid ununterbrochen geweint. Die Figur soll höchstens einenhalben Meter groß sein. Sie wird vorwiegend aus Lehm gestaltet,aber kann auch aus Fetzen oder aus einem Besen, der von einerschwangeren Frau gestohlen ist, gemacht werden. Als Augen dienenrote Maiskörner oder kleine Holzscheiten, als Brauen dünneStäbchen, der Mund wird mit einem Messer geschnitten, als Mützedient die Schale des zuerst zerbrochenen Ostereis, und besondersgroßen Wert legen sie auf den Phallus. Die fertige Germanfigur legensie in einen hölzernen Sarg, bedecken sie mit einem Leichentuch,kreuzen ihre Hände und stecken eine angezündete Kerze hinein undlegen Blumen und Grün wie bei einem Toten dazu. German wird vonden Frauen rituell beweint:„ ,, Mutters German, Mutters Prachtsohn,Mutters German ist an Dürre gestorben, Mutters German ist fürRegen gestorben." Dann kommen alle Frauen aus dem Dorf. Siemachen einen Trauerzug zum Fluß. Die Frauen laden den Priesterein, um dem„ toten" German eine Totenmesse zu lesen. Früherhaben die Priester das gemacht, jedoch wollten die Priester ab Endedes vorigen Jahrhunderts nicht mehr daran teilnehmen. Aus diesemGrunde wird die Rolle des Priesters von einer Frau gespielt. Sie legtauf ihren Kopf ein umgekipptes schwarzes Kesselchen, das alsPriesterkappe dienen soll. Diese Frau führt mit dem ewigen Licht in
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