Nach altem Brauch muß am Gründonnerstag der Sauerteig erneuertwerden. Der Sauerteig wird streng bewahrt, weil ein Aberglaubeexistiert, daß derjenige, der vom Sauerteig nimmt, den Reichtum unddie Fruchtbarkeit des Hauses entwendet. An diesem Tag bereitet dieFrau auch die Weihbrote für den Festtag vor. Sie werden aus reinemMehl gebacken, das durch drei Siebe gesiebt wird, und dabei werdenLieder gesungen. Auf die Brote werden weiße und rote Eier inKreuzform gelegt, die in Teig eingewickelt sind.
Am nächsten Tag, Karfreitag, gehen die Leute früh morgens zurKirche. Die Frauen bringen Hemden, Tücher und Strümpfe, die sieauf das Leichentuch legen. Die Jungen gehen unter den Tisch mitdem Kruzifix und dem Leichentuch, um gesund zu bleiben.Den Samstagabend verbringen die Gläubigen in der Kirche, wo eineheilige Liturgie stattfindet. Punkt 12 Uhr läuten die Glocken, und diePriester verkündigen die Auferstehung Christi. Die Leute begrüßensich mit Christus ist auferstanden, Er ist wahrhaftig auferstanden".Mit diesen Worten begrüßen sich die Leute bis Spassow- den. Nachder Auferstehungsfeier zünden sie ihre Kerzen an und bringen siebrennend nach Hause, um von ihrer Flamme das ewige Licht zuHause anzuzünden. Sie setzen sich an den Festtisch, brechen dieWeihbrote in Stücken und stoßen die Ostereier aneinander.Die Osterfeiern dauern die ganze nächste Woche, die„ helle" oder,, leere" Woche genannt wird. Die jungen Ehepaare besuchen ihreTrauzeugen, die Eltern der Braut, die baba(= Hebamme) und bringenOsterbrot und bemalte Eier mit. Während der Feiertage wird gesun-gen und getanzt. Die Jungen machen Schaukeln und schaukeln, umgesund zu bleiben.
In Ostbulgarien ist bei den Verlobten ein Brauch für baldige Hoch-zeit“ üblich. Es wird eine Puppe aus drei Fatschen von schwangerenFrauen gemacht, die Mara Lischanka genannt wird. Die Puppe wirdmit Brautschmuck verziert und mit Gesang zum Fluß gebracht. Dortwird die Puppe gebadet, die Mädchen waschen sich die Gesichter.Dieser Brauch soll die Mädchen vor der Liebe der Drachen behüten.In Südwestbulgarien tanzen die Jungen und Mädchen einen spezi-ellen Reigen, der Ladino choro genannt wird. Dieser Tanz soll Ge-sundheit und Fruchtbarkeit bringen und ist wiederum ein Symbol desVerheiratens.
Am Sonntag nach Ostern werden wieder Eier rot gefärbt. Dieses Malsind sie für die verstorbenen Familienangehörigen bestimmt. Nachdem bulgarischen Volksglauben läßt Gott die Seelen der Verstorbe-nen in der Zeit zwischen Gründonnerstag und Spassow- den auf dieErde gehen.
Die Hauptelemente des Feiertages der Auferstehung Christi sind bisheute noch im Leben der Bulgaren erhalten.
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