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Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren : historische Kalenderbräuche aus Bulgarien ; eine Ausstellung des Ethnographischen Instituts mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen von EFMO (Ethnologie-Forum Mittel- und Osteuropa) ; Begleitbuch zur Jahresausstellung 1999 im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee vom 20. Juni bis 1. November 1999
Entstehung
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Ostern

Ostern ist eines der größten und beliebtesten Feste der Bulgaren. Inden Osterbräuchen sind viele altertümliche Vorstellungen über dieWelt, die Menschen und die ewig wiederwachende Natur enthalten.Die griechisch- orthodoxe Kirche hat sieben Wochen strenges Fastenzur Vorbereitung der Seele und des Körpers auf die Feier bestimmt.Die Woche vor Ostern wird ,, die Große oder Leidenswoche"( Kar-woche) genannt. Nach dem Volksglauben sollen bis Mittwoch dieHäuser gründlich gereinigt, die Wände frisch gestrichen und alleDecken abgewaschen werden. Am Großen Donnerstag( Gründon-nerstag) steht die Hausfrau vor Sonnenaufgang auf. Sie zieht sichneu an und schmückt sich mit einem Geraniumsträußchen. Vor derHausikone bekreuzigt sie sich dreimal. Dann beginnt sie mit demrituellen Färben der Ostereier. Zuerst wird das Ei gefärbt, das amselben Tag gelegt worden ist. Dieses Ei wird Gott gewidmet. Es wirddas ganze Jahr bei der Hausikone aufbewahrt und je nachdem, obes voll bleibt oder nicht, wird die Zukunft gedeutet. Mit dem erstenOsterei werden die Gesichter der Kinder gestrichen und gesegnet:,, Weiß und rot, heil und gesund!" Mit dem ersten Ei werden Menschenund Haustiere geheilt und schwarze Magie gelöst. Es wird in Ackerund Weingarten vergraben, um diese vor Hagel zu bewahren. DieMädchen waschen sich die Gesichter und die Haare, um schön zubleiben. Die gefärbten Ostereier werden in ein Sieb gelegt, das miteinem roten Tuch oder einer roten Schürze bedeckt wird. Das Siebwird in den Hof gestellt, damit die Eier von der Sonne bestrahltwerden.

Die Hausfrau soll so viele Ostereier zubereiten, daß sie bis Spassow-den( Christi Himmelfahrt) für alle im Haus, für die Nachbarn undVerwandten, sowie für jeden armen Menschen oder Wanderer, deran ihrem Haus vorbeigeht, ausreichen.

In der Vergangenheit wurden die Ostereier nur in Rot und nur mitnatürlichen Farbstoffen aus Lindenblättern, Zwiebelschalen, Wurzelnverschiedener Pflanzen und Rinden verschiedener Bäume gefärbt.Heute werden auch künstliche Farben verwendet. Die Mädchen unddie jungen Frauen bereiten Ostereier für ihre Geliebten und Ehemän-ner und bieten für die Verzierung der Eier ihr ganzes Geschick undihre Liebe auf. Besonders schön sind die bemalten Eier, die mit einemspeziellen, in Wachs getauchten Stäbchen bemalt werden. Damitwerden prächtig Vögel und Menschen dargestellt. Besonders kunst-voll sind auch die sogenannten kiteni(= geschmückten) Eier, die mitTroddeln aus bunter Wolle, glänzenden Bändern, oder mit Seide undPerlen verziert werden. Die Mönche malen auf die Ostereier Szenenaus dem Leben, dem Leiden und Tod Jesu.

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