zum Friedhof, wo ihre Lieder Glück und Segen bringen sollen. DieHausherren schenken ihnen weiße Eier, damit kein Hagel im Sommerkommt, Geld, Äpfel und Nüsse.
Am nächsten Tag, Palmsonntag, an dem die Christen Jesu Einzugin Jerusalem gedenken, gehen die Lazarki zum Fluß. Jedes Mädchenträgt ein Weidenkränzchen oder ein kleines Brötchen, das wie einemenschliche Figur(„ Puppe“) gestaltet ist. Die Mädchen werfengleichzeitig ihre Kränzchen oder Brötchen ins Wasser. Das Mädchen,dessen Kränzchen voranschwimmt, wird zur„ Kumiza"(= Patenkind)gewählt. Sie ist die oberste Lazarka und wird besonders verehrt. BisOstern behalten alle ein rituelles Schweigen zu ihr bei( analog zu demtraditionellen Schweigen der Jungvermählten bezüglich Paten, Trau-zeugen und Eltern während der Hochzeitsperiode; verbunden mit derAufnahme der Mädchen in die Gesellschaft als heiratsfähig). ZuOstern selbst bringen die Mädchen der Kumiza rote Eier und Blumen-sträußchen. Bei ihr zu Hause vergeben sie sich und organisieren eingemeinsames Mahl.
Das Lazaruwane ist ein sehr beliebter Brauch und blieb sogar in denGroßstädten bis zu den 40er Jahren unseres Jahrhunderts erhalten,obwohl er seine Vorheiratssymbolik verloren hat. Zu der Zeit wurdenLazarusscharen in den Schulen und Leseveranstaltungen organi-siert. Der Lazarustag wird in den bulgarischen Dörfern heute nochgefeiert.
,, Siehst du den Hirsch, Mädle, Lazarus,der Hirsch schwimmt im Meer, Lazarus,gold'ne Hörner auf Kopf, Lazarus,auf Hörnern ein Lager, Lazarus,auf Lager- Lazarus, Lazarus,schnitt zu echtes Tuch, Lazarus..."
Oi Lazarus, Lazarus,
Zunächst sind wir gekommen,Bursch' und Mädel gefunden,
ob das Mädel verlobet ist,
ob der Bursche verheiratet,
wenn das Mädel verlobt sein soll,nächstes Jahr wird es heiraten,
wenn der Bursche verheiratet,
nächstes Jahr wird's ein Kind geben..."
52