Todorstag( der erste Sonnabend nach dem Fastensonntag)
Der Todorstag ist der letzte Feiertag des langen Winters. Die Legen-de erzählt, daß der Heilige Todor an diesem Tag seine neun Pelz-mäntel auszieht, zu Gott geht und ihn um einen baldigen Sommerbittet. Die Bulgaren sagen, daß mit dem Todorstag der Sommergekommen ist. Nach den Vorstellungen der Bulgaren stößt derHeilige ein brennendes Holzscheit in die Erde und erwärmt sie damit.Auf diese Weise werden die Weltallkräfte in Schwung gebracht und dasGleichgewicht in der Natur und in der menschlichen Gesellschaft gestört.Damit wird eine gefährliche, unreine und entsetzliche Periode eingelei-tet, die eine ganze Woche dauert- die Todorswoche( vom Fastensonn-tag bis Sonnabend, dem Todorstag), die auch tscherna(= schwarzeWoche), glucha(= taube Woche) oder prazna(= leere Woche) genanntwird. In der Nacht wandern Ungeheuer, Vampire und Feen umher, dieSeelen der Toten ruhen auf den Blumen, die Ameisen und Mäuse feiern,die Menschen und Tiere sind von Tollheit gefährdet.
Der Montag der Todorswoche heißt noch pessi, kutschi(= Hunde-montag) und besni(= toller Montag). An diesem Montag beginnt dasstrenge dreitägige Fasten. Der Dienstag wird tscheren(= schwarz),such(= dürr) und gluch(= taub) genannt und gegen die Dürre imSommer begangen. Der Mittwoch trägt die Namen lud(= verrückt),kriw(= krumm) und tscheren und wird gegen Hagel verehrt. DerDonnerstag ist wartoglaw(= Drehdonnerstag), an diesem Tag wer-den Brötchen verschenkt, um Ameiseneinfall zu vermeiden. Derschlimmste irre Tag der Woche aber ist der schwarze( tscher) undirre( lud) Freitag. Während der ganzen Woche herrscht ein Wel-tallchaos. Um die unsichtbaren Kräfte des Bösen mildzustimmen,halten die Bulgaren strengste Tabus ein- untersagt ist jegliche Haus-oder Feldarbeit, genauso der Geschlechtsverkehr. Nach altem Glau-ben wird ein Kind, das während dieser Woche empfangen odergeboren ist, zu einem Vampir oder Karakondsho. Ein solches Kindirrt nachts in der Gestalt eines Hundes oder Wolfes umher.Die Bulgaren achten den Heiligen Todor als Beschützer der Frucht-barkeit und der Geburtenfülle. In den Vorstellungen des Volkes ist ermit der Welt der Toten und der Ahnen verbunden, von denen dieFeuchtigkeit und Fruchtbarkeit abhängig ist. Besonders verehren ihndie jungvermählten Frauen, weshalb der Tag öfters bulkina sabota(= Brautsonnabend) genannt wird.
Während der ganzen Woche deuten die Mädchen ihr Schicksal: Jedelegt Maiskörner unter ihren Kissen und glaubt, daß sie den Burschenheiraten wird, von dem sie in dieser Nacht träumt. Die Mädchenpflanzen ein paar Schnittlauchhalme, von denen jeder für einenbestimmten Jungen vorgesehen ist. Der am schnellsten wachsende
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