Druckschrift 
Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren : historische Kalenderbräuche aus Bulgarien ; eine Ausstellung des Ethnographischen Instituts mit Museum der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen von EFMO (Ethnologie-Forum Mittel- und Osteuropa) ; Begleitbuch zur Jahresausstellung 1999 im Ethnographischen Museum Schloß Kittsee vom 20. Juni bis 1. November 1999
Entstehung
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Petljovden, der 20. Januar( Tag des Hahns)

Der Hahn ist ein Universalsymbol der Sonne. Er vertreibt die dunklenGewalten der Nacht, verkündigt den Aufbruch des neuen Tages unddie Auferstehung des Lebens. Die dem Hahn beigemessenen Be-deutungen verwandeln ihn in ein Grundsymbol der sexuellen Potenzund des männlichen Befruchtens.

Nach altem bulgarischen Brauch wird am 20. Januar, dem Tag desHeiligen Evtim( 1327-1402), des letzten Patriarchen des zweitenbulgarischen Staates, genannt Tag des Hahnes, in jeder Familie, dieKinder männlichen Geschlechts hat, ein Hahn geopfert. Das Schlach-ten des Hahnes wird von einem keuschen Jungen, genannt petelar(= Hahnenjunge) durchgeführt, der 15 bis 16 Jahre alt ist und nochkeinen sexuellen Kontakt hatte. Mit dem Blut des Opfertieres malt erKreuzzeichen auf die Stirn jedes Jungen in der Familie und auf dieAußenwänden des Hauses. Die Federn des Opferhahnes werden alsheilkräftig betrachtet, da nach dem Volksglauben der Heilige Evtimdie Kinder vor Krankheiten schützt. Die Großmutter bewahrt dieFedern und beweihräuchert damit kranke und verschriene Kinder.Auf die rituelle Tafel werden der Hahn, spezielle gebackene Broteund Brezeln gebracht. Einen Teil davon gibt die Mutter den Verwand-ten und Nachbarn, damit ihre Söhne gesund bleiben.

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