Ausbildung von Bulgaren in ausländischen Fach-, Mittel- und Hoch-schulen zur Staatspolitik erhoben.
Nach der Befreiung 1878 kam es allmählich, begleitet von vielenSchwankungen, zu einer Umorientierung weg von Rußland hin zuÖsterreich- Ungarn und Deutschland, was u.a. durch die wechselndePolitik der Großmächte wie auch durch innenpolitische Auseinander-setzungen verursacht wurde. Das wirkte sich auch auf die Bildungs-politik aus.
Für das hier behandelte Thema ist wichtig, daß die volkskundlicheakademische Gründergeneration im Ausland ihre Ausbildung bzw.Spezialisierung erhalten hatte. Die Hauptzentren dabei waren dieMoskau- und Harkov- Universitäten sowie die Slawische Philologie anden Universitäten in Wien, Prag, Leipzig, Jena und Genf. Der hoheAnteil der Staatsfinanzierung und die führenden Positionen, diediesen Wissenschaftler im gesamtgesellschaftlichen( politischen undkulturellen) Bereich zukamen, bezeugen das hohe Staatsinteressean der Ausbildung und Popularisierung einer aktiven Heimatidentität.Die Ausbildung und aktive Einbindung der bulgarischen Wissen-schaftler im deutsch- russisch- slawischen Raum zeigt zugleich, daßdie Entwicklung der bulgarischen Volkskunde nicht abgesondert vonder zeitgenössischen europäischen betrachtet werden darf. Sowohlmethodologisch als auch von den Themen her ist sie mit der Entwick-lung der Volkskunde in Rußland, Österreich- Ungarn und Deutsch-land vergleichbar, was etwa die Auseinandersetzung bulgarischerWissenschaftler mit mythologischen, evolutionistischen und anthro-pologischen Themen sowie Migrationstheorien deutlich machen.6
5 Stipendien oder einmalige Geldunterstützungen haben u.a. lv. Schischmanov,D. Matov, B. Tzonev, L. Miletič erhalten.
6 Beispiel dafür ist das Schaffen von Ivan Schischmanov, Dimitar Matov, Marin Drinov,Ljubomir Miletič, Stefan Mladenov oder Michail Arnaudov. Vgl. auch: Todorov,Delco: Etnografijata v Balgaria, S. 135-151. Über die Slawistik in Österreich- Ungarnund Deutschland: Jacobeit, Wolfgang, Hannsjost Lixfeld, Olaf Bockhorn( Hg.):Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen der deutschen und österreichi-schen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Wien- Köln- Weimar1994. Johler, Reinhard: Das Ethnische als Forschungskonzept: Die österreichischeVolkskunde im europäischen Vergleich. In: 5. Internationaler Kongreß der SocietéInternationale d'Éthnologie et de Folklore( SIEF 1994), Wien 1995, S. 69-101.
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