Bulgarien hat 8,45 Mio. Einwohner( 1995). Hauptstadt ist Sofia, dasvor über 7000 Jahre gegründet wurde. Im Laufe der Zeit haben sichan dieser Stelle die Wege aus den vier Himmelsrichtungen der Weltgekreuzt, und die Harmonie zwischen Vergangenheit und GegenwartOverleiht der Stadt einen besonderen Reiz. Bauten aus thrakischer,römischer, bulgarischer und osmanischer Zeit finden sich Seite anSeite mit moderner Architektur. Im Zentrum Sofias befindet sich dieälteste gut erhaltene Rundkirche der Stadt, St. Georg aus dem 4.Jahrhundert. Die zweitälteste frühchristliche Basilika ist der Hl. So-phia geweiht( 6. Jahrhundert), die der Stadt ihren Namen gab undauf ihrem Wappen verewigt ist. Die Alexander Nevski- Gedächtniskir-che aus dem 19. Jahrhundert mit ihren vergoldeten Kuppeln und derbeeindruckenden Innenausstattung ist der monumentalste Bau nichtnur in Sofia, sondern auch auf der ganzen Balkanhalbinsel. ,, Wach-set, doch altert nicht"( Raste, no ne staree), so lautet die DeviseSofias, und die Stadt ist der Mittelpunkt eines regen politischen,gesellschaftlichen und kulturellen Lebens.
Die heutigen Bulgaren gehören sprachlich dem Slaventum an, tragenjedoch den Namen eines nicht- slavischen Volkes, was der Entste-hung und der ethnischen Zusammensetzung des ersten bulgarischenReiches entspricht. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts überquertendie Slaven die Donau und ließen sich in den Landen bis zumSchwarzen und Adriatischen Meer nieder. Als die Protobulgaren, einrätselhaftes Turkvolk aus Zentralasien, in diese Gebiete kamen,ergab sich rasch, daß die beiden einen gemeinsamen Feind- näm-lich Byzanz- hatten. Nach der Eroberung der zum ByzantinischenReich gehörenden Dobrudža gründete Khan Asparuch 679 das ErsteBulgarische Reich, das 681 von Byzanz anerkannt wurde. MehrereAbkommen mit Byzanz, unterbrochen von heftigen Auseinanderset-zungen und Kriegen, sicherten die Existenz dieses slavo- bulgari-schen Reiches mit der Hauptstadt Pliska( 681-893). Unter KhanKrum( 802-814) wurde das Gebiet des Reiches auf Kosten deszerfallenden Awarenreiches bis zu den Flüssen Theiß und Dnjestrerweitert. Die Annahme des Christentums( 865) durch Khan Boris I.( 852-889) konsolidierte den Staat. Die Schüler der Brüder Kyrill undMethod verbreiteten in Bulgarien das neugeschaffene slavische Al-phabet und die slavische Liturgie. Das Entstehen und die Übernahmeeiner eigenen slavischen Schrift sorgten dafür, daß die durch dasgemeinsame Christentum bestehende Gefahr einer Abhängigkeitvon Byzanz vermieden werden konnte. Christentum und kyrillischeSchrift erwiesen sich als die beiden Pfeiler für eine integrierte unddennoch selbständige bulgarische Kultur.
Während der Herrschaft Simeons 1.( 893-927) erreichte Bulgarienmit der Hauptstadt Preslav seine größte politische Macht und kultu-
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