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Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos : Studien zu den Ernteschnittgeräten und ihrer Stellung im europäischen Volksglauben und Volksbrauch ; [Karl Spiess zum 70. Geburtstag]
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geworfen, und wieder aufgefangen. Das machten sie so zweimal, beim drittenMal wurden sie versteinert. Aus ihren Tränen bildete sich der Jungfernbach Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfernbach,der nun zwischen den Felsen hervorquillt 659). Richard Kühnau hat zu dieserSage eine aufschlußreiche historische Notiz gestellt. Am 9. September 1793kam nämlich der Leitmeritzer Bischof Ferdinand Kindermann zum Besuchder Kirche und der Schule nach Ringelshain, und wurde bei dieser Gelegen-heit feierlich von Pangraz eingeholt. An der Spitze des Zuges ritten dreiBurschen, gleich gekleidet, dann kamen Fahnen, Schuljugend, Lehrerschaftund das Dorfgericht. Im Zuge waren über zwanzig Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen, welche mitGetreideähren und Bändern umschlungene Sicheln trugen und vor demBischof sangen, worüber dieser seine besondere Freude äußerte 660). Es istdas sicherlich kein ganz normaler barocker Festprunk, sondern eine örtlicheBesonderheit gewesen. Ob sich die Sage direkt an dieses markante Inerschei-nungtreten von Sicheljungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Sicheljungfrauen angeheftet hat, oder ob es sich im Jeschken-gebirge um eine Sondertradition derartiger bei Festbräuchen auftretenderSichelmädchen handelte, läßt sich wohl schwerlich mehr ermitteln. Ganz zutrennen dürften Sage und Brauch wohl kaum sein. Freilich ist die Sagezusätzlich noch vom Brauch des Sichelwerfens beeinflußt, und anscheinendauch von der Notburgalegende. Bis zu einem gewissen Grad muten ja dieseRingelshainer Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen wie böse Kontrafakturen zur hl. Notburga an,das Motiv der Feiertagsentheiligung als gewollter Gegensatz zu der vonder Tiroler Heiligen betonten Feierabendheiligung.

Böse Sichelfrauen ganz ohne gegenteiligen Zug gehören wohl nicht mehrin den mythischen Bereich. Ein seltenes Zeugnis für das Vorkommen einersolchen Vorstellung überhaupt stellt eine Sage aus der Graden bei Seckauin Steiermark dar: Eine schöne Hammerherrentochter hatte sich dort miteinem Förstersohn verlobt. Es ging jedoch das Gerücht, sie treibe sich nachtsim Walde herum, mit einer glühenden Sichel in der Hand. Der Bräutigam,der dies überprüfen will, begegnet ihr tatsächlich nächtlicherweile imWalde, wo sie auf einen frischen Hügel deutet und ihre glühende Sichel inden Baum darüber schlägt. Der Förster kommt mühsam nach Hause, wirdkrank, und von der Braut gesund gepflegt. Danach führt er sie in den Waldzu dem Hügel, an dem sie gesteht, dort das Kind einer ersten Liebe miteiner Sichel getötet und begraben zu haben. Auf ihr Geständnis hin wirdsie gerichtet 661). Das scheint kein Nachwirken einer alten Vorstellungmehr zu sein, sondern eher eine Lokalisierung einer rezenten Schauder-geschichte, eventuell aus der Volksbuchsphäre. Doch kann hier landschaft-liche Forschung vielleicht noch Näheres erheben.

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2. Legendengestalten

Streng genommen gibt es nur eine einzige Legendengestalt, eine Sichel-gestalt unter den Frauen der Legende: die hl. Notburga. Wenn sich da unddort versprengte namenlose Gestalten der gleichen Art zeigen, so läßt sichjedesmal mit Leichtigkeit erweisen, daß sie nur spätere Nacherzählungen derNotburga- Legende darstellen. Ich habe jedenfalls keinen Anlaß finden kön-nen, sie für ältere Vorformen anzusehen.

Dabei ist die Legende der Tiroler Heiligen sicher eine aus mythischenZügen zusammengesetzte Erzählung 662). Die geschichtlichen Züge an ihr sindunbedeutend und jedenfalls unbeweisbar. Was aber die bisherige mytho-

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