Abschluß des Schnittes wohl nicht auf dem Feld, aber dafür beim Einbringender letzten Garbe durchgeführt. Man brachte dort den„, Wolf", wie die letzteGarbe genannt wurde, vor das Herrenhaus, wo seine Trägerin, die auch ,, deWolf" geheißen wurde, einen Vers sprach. Hierauf strichen die Mäher mitmöglichst großem Getöse ihre Sensen, die Herrschaft ließ zum Abschlußgeistiges Getränk ausschenken 192). Dieser Brauch ist mit den deutschenSiedlern auch nach Posen wie nach Ostpreußen gegangen. Aus dem PosenerLand wird berichtet:„, Früher zogen auch die Mäher mit blumengeschmück-ten Sensen vor das Gutshaus und strichen nach dem Takte der Musik ihreSensen 193)." Und im katholischen Teil Ostpreußens, im Ermland, brachtendie Schnitter den Erntekranz zum Gutshof; vor der Haustür ,, dengelten" dieSchnitter noch einmal ihre Sensen, dann bekamen sie ihren Trunk undsprachen ihren Erntespruch 194)."
Der Brauch ist also bei allen diesen Ernteschlußfesten der gleiche: dasmehr oder minder rhythmische Streichen" der Sensenklingen durch dieSchnitter. Mitunter wird es direkt als ein Streichen, das heißt als die Nachahmung der wirklichen Verwendung des hölzernen Schärfgerätes geschildert,mitunter auch mehr als ein Klopfen auf die Sensenklingen, was dann einmehr schwingendes schafglockenläutenähnliches Tönen ergab. Dabeikonnte sich die Rhythmisierung vom dreimaligen Schlagen bis zur rhythmi-schen Begleitung eines Reigentanzes steigern. Man wird dabei nicht über-sehen dürfen, daß die Bekundung des letzteren, die Tanzbegleitung, demältesten Zeugnis des Brauches entstammt. Man kann hier also durchaus voneiner ,, Sensenmusik" sprechen, und muß noch dazu annehmen, daß sie inder Zeit vor unseren Aufzeichnungen noch markanter und bedeutungsvollergewesen sein kann. Keinesfalls hat es sich dabei ursprünglich um einenungeregelten Lärmbrauch gehandelt, als der die späten Erntearbeiterbräucheder letzten Aufzeichnungen vielleicht erscheinen könnten.
Eine jüngere Sonderform dieser Art von Sensenmusik scheint mir imrussischen Ernteschlußbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Ernteschlußbrauchtum vorzuliegen. Dort versammelten sich dieBauern nach dem Mähen, sanken in die Knie, beteten zu Gott und bateneinander um Verzeihung. Dann„ brachte man die Sensen zum Erklingen"und ging singend nach Hause 195). Leider kenne ich nicht die räumliche Er-streckung dieses Brauches in Rußland; erst sie würde ja eine genauereBeurteilung der Anregungen und Zusammenhänge erlauben.
Auffällig ist die Bindung dieses Musikbrauches an die Verbreitung derSensenwetzhölzer, die weiter unten genauer dargestellt ist. Obgleich dieVerwendung der Wetzsteine doch näher zu liegen scheint, und diese auchbei den Sensenlärmbräuchen sonst herangezogen werden, treten sie in denBerichten über das rhythmische Sensenstreichen gar nicht auf, als ob dieeine Erscheinung an die andere gebunden wäre. Es bleibt also bis zuletztein in gewissem Sinn tatsächlich musikalisch gehobenes, sinnbildliches Sen-senstreichen.
c) Bockfeilen
Das„ Bockfeilen" kann in mehr als einer Hinsicht als das direkte alpen-ländische Gegenstück des niederdeutschen ,, Sensenstreichens" angesprochenwerden. Hauptgegenstand ist wiederum die aufgerichtete Sense. Sie wird indiesem Fall mit dem Wetzstein zum Erklingen gebracht, in der Land-
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