und lunarmythologisch, und jener Käse, den die Göttin selbst in goldenemEimer bereiten soll, ist an sich erörternswert genug 133). Aber er weist dochoffenbar auf eine ältere als die ackerbäuerliche Schicht zurück, und mit derSichel als Schnittgerät wird er daher wohl nichts zu tun gehabt haben.-
Das Opferwesen der neueren Zeit hat Sichel und Sense nicht öfter auf-zuweisen als die Antike. Für das Mittelalter scheint mit einer stärkerenSichelopferung an den hl. Leonhard zu rechnen sein. Zumindest haben sichunter den um die alte Leonhardskirche von Aign am Inn in Niederbayernausgegrabenen, das heißt ursprünglich dort vergrabenen eisernen Opfer-gaben viele Sicheln gefunden, 134). Sie stehen im gesamten älteren Opfer-inventar dieser großen Wallfahrt neben vielem anderen Eisenzeug, besondersvielen bäuerlichen Geräten. Eine Spezialisierung ist also wohl nicht gegeben.Schon unter den Ausgrabungen befinden sich auch eiserne Sensenblätter, diealso ebenfalls bereits im Mittelalter geopfert worden sein müssen 135). Inneuerer Zeit scheinen fast nur mehr sie vorzukommen. So hängen in Aign amInn heute noch mächtige, bis zu anderthalb Meter lange Sensenblätter, dieteilweise vergoldet sind, hinter dem Hochaltar. Zwei Sensenblätter sind mit1741, bzw. 1745 datiert 136). Eine weitere derart überdimensionierte Votiv-sense befindet sich in der Wallfahrtskirche von Maria Waitschach in Kärnten.Aber auch die dort geopferten Sensen galten ursprünglich dem hl. Leonhard,der in der heute verfallenen Leonhardskapelle verehrt wurde, deren Kult sichspäter auf das Marienheiligtum übertragen hat. Die Sensen sollen bei Pestgeopfert worden sein 137).
Alle diese Votivsensen sind nicht für den Gebrauch bestimmt gewesen,sondern offensichtlich als Votivgaben angefertigt worden. Es ist zweifelloskein Zufall, daß sich die genannten Beispiele davon gerade in den Haupt-gebieten des süddeutsch- österreichischen Eisenopferbrauches finden 188). Siesind sicherlich fast durchwegs für gute Ernte, bzw. zur Verhinderung vonMiẞernten geopfert worden, vermutlich ohne weitere glaubensmäßige Zusam-menhänge mit den betreffenden Wallfahrtsheiligen. Weder der hl. Leonhardnoch die hl. Maria dürften hier mit älteren Vorstellungen, die glaubensmäßigan den Ernteschnittgeräten haften, zusammengebracht werden. Hier ist dasopferkultische Moment ausschlaggebend gewesen.
Lose möchte ich hier noch den Glauben an Sichel- Vorzeichen anschließen.Auch hier haben wohl alte lunare Glaubensvorstellungen den Boden bereitet,aber der Glaube an die Sichel selbst scheint doch auch gelegentlich orakel-bildend gewirkt zu haben. Merkwürdig ist da eine junge Sage aus demschweizerischen Haslital, die Geschichte von der ,, fiiregi Sichlen". Es heißt da:,, As hed no nid taged, das alt Peetschli hed ds Bräntli a Rigg gnun und hedwellen gen hirten. Wan es über en Grind achi gäid, stäid über dr Burg efiiregi Sichlen. Ei par Tag derna ischd Chrieg äusbrochen; d' Italiänersiin uf d' Abessiner los" 139). Solche Vorzeichen mögen wohl gelegentlich auchdie Ursache für die Opferung von Sicheln geworden sein.
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II. Schnitterbrauch und Schnitterglaube
Im Vordergrund der Beachtung stehen in dieser Arbeit die Geräte. Eskann sich hier also nicht darum handeln, das Verhältnis des Schnitters zuseinem Gerät im allgemeinen herauszuarbeiten, wie es auf Grund des ge-waltigen Materials, das insbesonders Heino Pfannenschmid und Wilhelm
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