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Das Kinderspielbild von Pieter Bruegel d. Ä. (1560) : eine volkskundliche Untersuchung
Entstehung
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des Kunstwerkes geschaffen worden, den Claude Gaignebet seitens der fran-zösischen volkskundlichen Forschung später für sich nutzbar gemacht hat. Ermacht für das Gemälde Kampf des Karnevals gegen die Fasten" einen regel-rechten kalendarischen Aufbau geltend, wonach die einzelnen Szenen auf diejahreszeitlichen Abschnitte zwischen Weihnachten und Ostern verweisen 557.Hinzuweisen wäre schließlich noch auf eine jüngere unveröffentlichte Salz-burger Hochschuldiplomarbeit von Maria Schäfer, die das Gemälde DerKampf zwischen Karneval und Fasten" einer Kunstbetrachtung unter kultur-historischem Aspekt unterzogen hat558.

Die flämische Forschung in Belgien und in den Niederlanden hat sichnicht nur allgemein mit den volkskundlichen Aspekten des Werkes von Pie-ter Bruegel d.Ä. auseinandergesetzt559, sondern ihr Interesse bevorzugt demeng an sprachliche Überlieferungen gebundenen Gemälde der Niederländi-schen Sprichwörter" von Pieter Bruegel d.Ä. zugewandt 560. Während europäi-sche Autoren sich meist der kulturgeschichtlichen Betrachtungsweise ver-schrieben haben, sind die Arbeiten amerikanischer Folkloristen wie Alan Dun-des und Claudie A. Stibbe561 und Kunstwissenschaftler wie Mark Meadows562strukturanalytischen und semiotischen Ansätzen verpflichtet. Die Sprich-wörter- Darstellungen werden von ihnen in einer definierbaren Beziehungzueinander gesehen. Sie bilden solcherart eine ,, visuelle Syntax", deren Ausle-gung zur Rekonstruktion eines verborgenen gedanklichen Kontextes der iko-nographischen und literarischen Sprichwörtersammlung führt. Solche Analysesieht den Maler Pieter Bruegel. d.Ä. nicht mehr allein als Proponent" oder,, Exponent" der Volkskultur, als Darsteller und Repräsentant des zeitgenössi-schen flämischen Bauern. An die Stelle des Mythos' vom einheimischen nai-ven Künstler, dem Bauern- Bruegel", tritt das Bestreben des Kunsthistorikers,, to discover insight into his art not in the fertile landscape of the Brabantcountryside, but in the intellectual landscape of the humanists, the Neo- Stoi-cists, the secretive Family of Love, the arcane alchemists and hermeticists, theallegories of the rederijkers, in the company of Rabelais, Erasmus, Coornhertand Ortelius" 563

Das Paradigma der Semiotik, d.h. der Standpunkt, die Gemälde als away of thinking in images" zu verstehen, leitet gleichfalls den amerikani-schen Anglisten Edward Snow, der seinem Essay über die Kinderspiele" Pie-ter Bruegels d.Ä. das Postulat voranstellt, daß this thinking entails a way oflooking, a certain willingness to credit what finds inside images" 564. In seiner,, inside"-Schau des Kinderspielbildes gilt die Frage den verschlüsselten Bild-Codes, deren Dechiffrierung zur Erkenntnis des tieferen Bildsinnes führt. DerAutor grenzt seine Position ab einerseits gegenüber den, wie er sie nennt,,, literalists", die das Gemälde ähnlich den zeitgenössischen literarischenAuflistungen von Kinderspielen- als eine vordergründige, enzyklopädischeZusammenfassung und Darstellung von Weltwissen" erklären, und andrer-seits gegenüber den iconographers", die den hintergründigen Bildsinn der,, Kinderspiele" als Spiegelung des törichten Tuns Erwachsener, einer ver-kehrten Menschenwelt" deuten: Auf dem Kopf Stehen, Seifenblasen",,, Steckenpferdreiten" usw. werden jeweils in der übertragenen Bedeutung ver-standen. Edward Snows eigener Deutungsversuch beruht indes darin, die derAnhäufung der vielfältigen Spiele zugrundeliegenden Strukturen zu erkennen:

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