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Das Kinderspielbild von Pieter Bruegel d. Ä. (1560) : eine volkskundliche Untersuchung
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Die volkskundliche Erschließung der Bilder Pieter Bruegels in Österreich

Von Leopold Schmidt

Die Bilder des älteren Bruegel gehören zu den größten Schätzen der Mal-kunst überhaupt und zu den reichsten Bildquellen der historischen Volks-kunde, die sich gern von diesen immer wieder unfaẞbar reichen Meisterwer-ken über die geistigen und künstlerischen Zusammenhänge der Wirklichkeitdes alten Volkslebens belehren läßt. Der gehaltliche Reichtum der BilderBruegels ist von einer jahrzehntelangen kunstwissenschaftlichen Forschungnicht ausgeschöpft worden. Die volkskundliche Erschließung, die sich ver-hältnismäßig spät und noch nicht sehr methodisch mit ihnen beschäftigt hat,konnte diese historischen Vorarbeiten zwar bereits weithin ergänzen, dochweist auch hier selbst die rein positivistische Kenntnisnahme und Darstellungbeträchtliche Lücken auf. Von einer tiefer gehenden Erfassung der Bedeu-tungsgehalte dieser Bilder und ihrer Darstellungen im einzelnen wie in derKomposition einerseits und der religiösen, soziologischen und physiologi-schen Funktion anderseits ist bisher überhaupt noch sehr wenig die Redegewesen. Wir haben sie allergrößtenteils als Bilderbogen genommen und sinddabei geblieben, allen Mahnungen des längst geschärften Gewissens zumTrotz.

Aber selbst dieses positivistische Lesenkönnen von Bilderbogen, das denMeisterwerken Bruegels sicherlich nicht gerecht wird, ist ja, wie schon gesagt,noch lange nicht so selbstverständlich, wie es angesichts der Tatsache seinmüßte, daß diese Bilder eine so lange Zeit schon ununterbrochen in öffent-lichen Gemäldegalerien hängen. Sie sind dauernd zu besichtigen, jeder Laiekann sie ebenso liebevoll betrachten wie der Fachmann, und dennoch scheu-en sich beide davor, sie auch nur annähernd vollständig durchzulesen".Dabei bleibt dieses Lesenkönnen die unabdingbare Voraussetzung für jedeweitere Erkenntnis, und jeder Betrachter müßte aufs neue jedem bisherigenVersuch dankbar sein, der auf diesem Gebiet gemacht wurde.

Diese Versuche sind im wesentlichen immer von der literarischen Seiteher ausgegangen. Die Sammler der Volksbräuche, der Kinderspiele, der Sprich-wörter haben gelegentlich erkannt, meist nur aus Reproduktionen und Gale-riewerken heraus, daß das eine oder andere Stück ihres Sammelbereiches aufeinem der Bilder Bruegels dargestellt sein müsse. So haben vor allem die Erfor-scher des flämischen Volkslebens schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufsolche Einzelszenen hingewiesen, oder, wie im Fall des Sprichwörterbildes,alle derartigen Einzelszenen des Bildes einzeln zu kommentieren versucht.Diesen bedeutenden Arbeiten, die vor dem Ersten Weltkrieg erfolgten, konn-ten dann verschiedene, in die ersten Kriegsjahre hineinreichende Studien vonBerliner Gelehrten folgen, die nun vor allem die Sprichwörter des im BerlinerKaiser- Friedrich- Museum, den heutigen Staatlichen Sammlungen der Stiftung

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