Einleitung
Der Maler Pieter Bruegel der Ältere( ca. 1525- 1569), der aus Antwer-pen stammt und später in Brüssel wirkte, hat mit Scharfsinn, Eigenart undoft mit Humor das Leben niederländischer Bauern in zahlreichen Skizzen,Radierungen und Gemälden dargestellt. Er war ein Meister darin, eine Viel-zahl von Einzelheiten in einer Komposition zu vereinigen, z.B. in seinen,, Niederländischen Sprichwörtern"( Berlin), in seinem„ Streit des Karnevalsmit den Fasten"( Wien) und in seinen„ Kinderspielen"( Wien). Für dieVolkskundler ist es sehr lohnend, Bruegels Arbeiten, besonders jene dreiGenrebilder, genau zu betrachten. Je mehr Aufmerksamkeit man diesenGemälden widmet, desto mehr gewinnt man die Überzeugung, daß Bruegelein scharfer Beobachter seiner Zeit war und daß er die Natur aufs genauestewiedergab.
Das Gemälde„ Kinderspiele" ist volkskundlich besonders von KarlHaiding in seiner Untersuchung„ Das Spielbild Pieter Bruegels"( Bausteinezur Geschichte, Völkerkunde und Mythenkunde, 1. Halbband, Wien 1937,S. 58-74) gewürdigt worden. Er nennt jedoch seine Schrift„ eine knappeArbeit“ und läßt viel von dem volkskundlichen und literarischen Hinter-grund des Gemäldes unberührt. Demgegenüber ist es das Bestreben der vor-liegenden Studie, jedes auf dem Bilde dargestellte Spiel ausführlicher zubeschreiben und die entsprechenden zeitgenössischen Begriffe und Aus-drücke heranzuziehen.
Um die Bezeichnungen aufzuzeigen, habe ich die 215„ Spiele", dieRabelais in seinem„ Gargantua“( 1535) im 22. Kapitel erwähnt, gründlichuntersucht. Dazu wurde die folgende Ausgabe benutzt: Œuvres de Rabelais,Band I, herausgegeben von Esmangart und Eloi Johanneau( 1823).1 Die Listeder Spiele und die dazugehörigen Anmerkungen sind auf den Seiten 393-443 zu finden.
Nach Heinrich Rauschs Dissertation„ Das Spielverzeichnis im 25. Kapi-tel von Fischarts, Geschichtklitterung'( Gargantua)"( Universität Straßburg,1908), S. 43,2 benutzte Fischart in seiner Liste von 629 Formen des Zeitver-treibs wenigstens 162 von Rabelais' 215 Namen der Spiele.( Diese Zahl um-faẞt alle Ausdrücke, die in den Ausgaben der„ Geschichtklitterung“ von1575, 1582 und 1590 gegeben wurden.) Rausch führt aus, daß viele vonFischarts Ausdrücken, die den Bezeichnungen von Rabelais im äußerenLautbild oder in wörtlicher Übersetzung gleichen, dennoch nicht als dieNamen der entsprechenden deutschen Spiele angesehen werden dürfen. Erbemerkt( S. XII):„ Fischart ist es gleichgültig, ob er die entlehnten Spiele
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