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Die mährischen Kroaten : Bilder von Othmar Ruzicka ; [Katalog zur Ausstellung "Die Mährischen Kroaten. Bilder von Othmar Ruzicka"]
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OTHMAR RUZICKA

( 7. NOVEMBER 1877- 4. NOVEMBER 1962)

Ab der Mitte des vorigen Jahrhunderts und auch später, in einer Zeit der politischen Spannungen undUnruhen, kam es in der Entwicklung der Bildenden Kunst zu einer deutlichen Änderung der künstlerischenAuffassung. An fast allen europäischen Akademien der Bildenden Künste vertrat man eine starre', traditi-onsverbundene Haltung gegenüber der Gesamtproblematik im Bereich der Bildenden Kunst. Dies hemmteund bremste den individuellen schöpferischen Schwung der nachfolgenden Generation. Die Reaktion aufdiesen Hemmschuh" in der Entwicklung war, neben der Romantik, zweifellos auch der Impressionismus,welcher als Stilrichtung seinerzeit auch Ausdruck einer neuen, künstlerischen Weltanschauung war². Es kamzu einer besonderen Beachtung des Lichtes und der Farbe, die man als die wichtigsten Stilmittel in derneuen Malerei betrachtete³. In diesem Bestreben gelangten die einen zu rein hedonistischenManifestationen, die anderen bis an die Grenzen des Dekorativen, manche auch bis zur Dematerialisationdes Gegenstandes. Auf diese Art und Weise bahnte sich der Weg bis zum Expressionismus und Futurisimus.

Othmar Ruzicka wurde als Sohn des Wenzel und der Theresia Ruzicka, geb. Schöber, in Wien geboren.Nach der Volks- und Mittelschule begann er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.Seine Professoren waren Julius Berger, Kazimir Pochwalski( 1855- 1940; er unterrichtete von 1893-1918 an der Akademie) und August Eisenmenger( 1830-1907; er unterrichtete von 1872- 1907 ander Akademie). Gerade diese Generation der Professoren war im Sinne des oben erwähnten verschöner-ten akademischen Realismus erzogen. Dieser war im Vergleich zu den damaligen fortschrittlichenRichtungen weit zurück, sowohl in seinen Methoden, seinen Ausdrucksmitteln als auch in der( für ihn typi-schen) romantisch- patriotischen Auffassungs.

Dem jungen Ruzicka wurde von Prof. Eisenmenger geraten, in das Gebiet des Flusses Thaya, d.h. nachSüdmähren zu gehen. In diesem Gebiet waren Kroaten bis zu ihrem zweiten Exodus( der erste war im 16.Jahrhundert, als sie aus ihrer alten Heimat vor den Türken fliehen mußten) ansässig. Dort lebte und wirk-te O. Ruzicka von 1906 bis 1945. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mußte O. Ruzicka, nach-dem sein Eigentum konfisziert worden war, seine neue Heimat verlassen und kehrte nach Wien zurück.Warum er gerade das südmährische Fröllersdorf und seine Umgebung gewählt hatte, ist aus seinen Briefenund Notizen bekannt und hing mit den günstigen Verkehrsverbindungen zusammen. Es muß betont wer-den, daß nach der Meinung von Experten seine bedeutendsten Werke dem breiten Publikum bisher relativunbekannt geblieben sind.

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