DIE MÄHRISCHEN KROATEN
Die mährischen Kroaten sind eine nationale Minderheit in Mähren, einem historischen Territorium der heu-tigen tschechischen Republik.
Die mährischen Kroaten ließen sich im Laufe des 16. Jahrhunderts an der unteren Thaya, an der Marchund im Marchfeld bis Wien nieder und bildeten so die vom Mutterland am weitesten entfernte Diaspora.Mit den anderen Burgenländischen Kroaten, deren nördlichster Zweig sie sind, bilden sie eine ununterbro-chene Siedlungskette von der Drau und Mur bis zur Donau und March und den Weißen Karpaten in derSlowakei. Die neuesten Forschungen( J. Breu, A. Turek) belegen eine schrittweise Besiedlung, wobei diebeiden stärksten Siedlungswellen in den Jahren 1538 und 1570 stattfanden, obwohl nach ihrer Traditiondas Jahr 1584 als Zeitpunkt der Ansiedlung anzusetzen ist.
Wahrscheinlich kamen sie aus dem Gebiet zwischen Adria und Kupa, und der Familienname Slunjski, einerder häufigsten, deutet auf die weitere Umgebung von Slunj.
Zur Auswanderung kam es durch Flucht vor den osmanisch- wallachischen Vorstößen, aber auch aufAnregung des kroatischen Adels und unter der Führung der Adeligen und glagolitischen Geistlichen. Dankihnen bewahrten sie die Erinnerung an die alte Heimat, ihre Sprache, ihr Nationalbewußtsein und denkatholischen Glauben inmitten einer deutsch- tschechisch- slowakischen und protestantischen Umgebung.
Obwohl der Assimilationsdruck anhaltend und stark war, hielten sich die Kroaten in drei Dörfern desBezirkes Mikulov( Nikolsburg), während sie im Marchfeld dem Germanisierungsdruck und um Valtice( Feldsberg), Lednice( Eisgrub) und Hlohovec( Bischofswarth) der Tschechisierung erlagen.
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Bis zum Jahr 1918 lebten alle Kroaten, in der alten Heimat wie in der Diaspora, im selben Staat( Öster-reich- Ungarn), dann aber in vier Nachfolgestaaten, was auch durch die systematische Tschechisierung inSchule und Kirche- die Assimilation vorantrieb. Im Jahr 1918, als der tschecho- slowakische Staat entstand,lebten in Frielištof( Fröllersdorf), das die Tschechen in der Folge in Jevišovka umbenannten, in Dobro Polje( Guttenfeld) und in Nova Prerava( Neuprerau) etwa 1700 Kroaten, 600 Deutsche und nur 236 Tschechen.1961 lebten dort nur mehr 19 Kroaten, alle anderen waren Tschechen und Slowaken.
Obwohl die Kroaten damals weder eigene Priester, keine Lehrer, also keine sog. Intelligenz hatten, wider-setzten sie sich der Tschechisierung und näherten sich den mährischen Deutschen an. Nach demZusammenbruch der Tschechoslowakei 1938/39 wurde das Gebiet von Südmähren direkt dem Deutschen
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