Druckschrift 
Post vom schönen Österreich : eine ethnographische Recherche zur Gegenwart
Entstehung
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Typisches Landschaftsbild im Unteren Mühlviertel. Obst-baumwiese in der Ortschaft Asching in der GemeindeWindhaag bei Perg( Nr. 33).

Versuchte man sich in einer Typologie der Landschafts-moden, so ließen sich schnell Ungleichzeitigkeiten kon-statieren. Oder anders gesagt: Die junge Vorliebe fürdie neuentdeckten melancholischen Lanschaften( dieösterreichische Variante der road- movie- Ästhetik alsAntimode) hat sich zumindest in der Selbstdarstellungheimischer Kommunen noch kaum durchgesetzt. Die Tou-rismusprospekte und lokalen Präsentationsversuche gehö-ren noch ganz jener Spätromantik an, die in den sechzigerund siebziger Jahren ihren letzten Höhepunkt erlebt hat.Sie bevorzugen von wenigen Ausnahmen einmal abgese-hendas harmonische In- und Nebeneinander von Naturund Menschenwerk( um in der Diktion der stilprägendenHeimatbewegung zu bleiben). Wege, Brunnen, Klein-denkmale und für den heutigen Betrachter längst zurNatur gewordene Bauwerke machen die Landschaft erstzum emotionalen Stimmungswert. Der Vorzug gilt nochimmer der geformten, Spuren von Kultur und Geschichtetragenden Landschaft. Ihre Chance, zum Wahrzeichen zuavancieren und Aufnahme zu finden in den Kanon desNaturschönen, stellt sich in der Wiederholung vergleich-barer Motive her.

Wenn das mühsam aufgebaute nationale Image Öster-reichs das einer Alpenrepublik ist, dann nimmt es auchnicht wunder, daß Landschaften im Hinblick auf ihre Stim-migkeit dem Leitbild angepaßt, will sagen, alpinisiertwerden. Wer je die tiefen Waldschluchten, Berghüttleinund Wasserfälle an den Hauswänden des Voralpengebietesbeachtet hat, kennt diesen Effekt. Er zoomt eine Land-schaft in jene Richtung, in die auch die Straßen und dieSehnsucht des Blicks führen. Je näher die Kulisse herange-holt werden kann, desto verläßlicher wird die Komposi-tion in ihrer Kernaussage verstanden: Steigerung möglich.Neben den eigentlichen Wahrzeichen, die als Bilder undModelle eingesandt wurden( etwa die Stadttürme vonEnns und Judenburg, Nr. 127, 142), verfügen einigeösterreichische Gemeinden über Repliken urgeschichtlichbedeutender Funde und naturgeschichtlicher Kuriosa.Aggsbach- Markt sandte eine Nachbildung der auf Ge-meindegemarkung gefundenen Venus von Willendorf( Nr. 36) und Saalfelden eine Replik des im Begleitschrei-ben als, keltische Gottheit" bezeichneten Biberghirsches( Nr. 103). Aber auch, wenn seltenen Gesteinsarten oderFossilien lokaler Symbolcharakter anhaftet, fließen Naturund Kultur in eins, finden sie im, Ur' ihren gemeinsamenNenner und nobilitieren den Fundort. Der HieflauerSchneckenstein" und die Kugelsteine von Groß Gerungs"sind Beispiele solcher Argumentationsweisen( Nr. 64,

139). Die Wulfenia carinthiaca" hingegen als Klein-plastik von der Gemeinde Hermagor- Pressegger See zurVerfügung gestellt- zeigt, wie selbst um eine botanischeKuriosiät lokale Identität und ein ganzes Kultszenario auf-gebaut werden können( Nr. 77).

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Welchem Fundus die Relikte und Versatzstücke ent-stammen, ist nicht entscheidend. Wichtiger erscheint dieMöglichkeit, mit ihrer Hilfe Geschichten zu erzählen,Geschichten von der Unverwechselbarkeit des Eigenen.Dennoch stecken hinter vordergründigen Zufälligkeitenoftmals unübersehbare Affinitäten. Die Erzählung ist esaber erst, die den nötigen Kitt zwischen dem Überbleibselund der symbolischen Identität konstruieren hilft. Wennetwa eine sich in mitgesandter Druckschrift als wirt-schaftsfreundlichste Gemeinde Österreichs titulierendeKommune quasi in die Urgeschichte lokalen Gewerbeszurückgreift und einen Wetzstein aus längst abgegangenerheimischer Produktion als ihr Stück Heimat präsentiert,dann drängt sich das leidige Schlagwort von der kom-pensatorischen Funktion des Musealen geradezu auf. 10 Ineben jenem Schwarzach ist der Original- Wetzstein", demauch das, 1991 eröffnete Heimathaus" zu einem guten Teilgewidmet ist, das Bindeglied zwischen zwei prima vistakonkurrierenden Ansprüchen: Die Industriegemeindedefiniert sich nämlich gleichzeitig als Schwarzach deridyllische Ort im Urlaubsland Vorarlberg"( Nr. 108).Wenn dann noch die Gemeinden der krisengeschütteltensteirischen Erzregion mit alten Bergmannshauen und Erz-klumpen( Nr. 117) aufwarten, und Hohenau a.d. March( Nr. 15) mit einem Zuckerhut ein museales Erinnerungs-stück an bessere Zeiten seiner Zuckerfabrik wählt, dannwundert man sich über jedes rezente Produktion andeu-tende Stück." Angestrengter Rhetorik im Bildlichennicht weniger als im Textlichen- bedarf es, wenn Struk-turwandel signalisiert werden soll und ein neues Imagezu etablieren ist. Der Beitrag aus Kapfenberg, das tech-nisch mit Sicherheit aufwendigste( und daher laut Be-gleitschreiben zurückzustellende) Stück der Kollektion, istdafür ein sprechendes Beispiel: Dieses Wappen wurdemittels moderner Hochdrucktechnik durch einen Wasser-strahl aus Böhlerstahl, Messing und Naturstein geschnit-ten. Es symbolisiert die Entwicklung von Kapfenberg vombeschaulichen Markt über die Böhlerstahlstadt zur heuti-gen Europastadt mit hoher Lebensqualität( Nr. 146).Wie anders klingt da die unbeschwert vorgetrageneGeschichte von der Tarrenzer Hexe: Die Bezeichnung, Hexendorf stammt aus überlieferten Geschichten, Sagenund Legenden, die auch heute noch von älteren Tarrenzernmit glaubhafter Überzeugung dargeboten werden( Nr.152). Die besenreitende Miniatur im Stil gastronomischerStimmungsdekoration mit Strumpfgesicht und Fetzen-

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