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Post vom schönen Österreich : eine ethnographische Recherche zur Gegenwart
Entstehung
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ausführliche Antwort liefern in dieser Zeit die in großerZahl publizierten Festschriften sowie die Gemeinde- undHeimatbücher. Die dort enthaltenen Photographien schlie-Ben das Gemeindewappen und das Schwimmbad mit ein,aber ihre Titelblatt- Ikonographie verweist eindeutig mitder hier dominierenden Heimatkunst auf Altertümliches.

Schriftkultur

Sprache unterscheidet stärker als Bilder: Slogans inFremdenverkehrsprospekten zielen deutlich auf andereLeserinteressen als inhaltsschwere Sätze in Heimatbü-chern. Deren Zahl ist hoch und ihre Repräsentations-nutzung evident. Die ab der Jahrhundertwende eingeführteIdee bewährte sich aus z. T. simplen Gründen: Da istzunächst die auftauchende Frage zu beantworten, ob denndas Buch überhaupt geschrieben werden mußte und umjeden Preis. Die Antwort könnte kurz in dem Hinweisebestehen, daß allerorten solche Heimatbücher entstandensind und noch entstehen." 17 Was damit schon 1929 alsinflationär gesehen wurde, konnte die wirkliche Kon-junktur noch nicht vorausahnen. Die Unmenge heutigerFestschriften, Gemeinde- und Stadtbücher spricht inihren Vor- und Geleitworten ihre Intentionen an: Es istdort vom Wunsch die Rede, daß die Schilderung des Aufund Ab's der Jahrtausende eine wahrhafte Verbindungmit der eigenen Scholle herstelle( Nr. 147), daß somitGeschichte als handlungsleitende Idee ein Bestandteil imSelbstbewußtsein der Bewohner geworden sei( Nr. 109),daß der auch anderweitig gezogene Vergleich des einstund jetzt"( Nr. 8, 151) ein gern gelesenes Hausbuch fürEinheimische und ein Erinnerungsstück( Nr. 7) für Gästeund Weggezogene darstellen möge. Man kann in diesenAbsichten wie auch in den Inhalts- und Abbildungs-verzeichnissen unschwer die Programmatik der Heimat-schutzbewegung erkennen, die mit dem ABC der

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Heimatkunde 18 und der Schrift Das Heimatbuch" 19 Pategestanden ist. Die Bücher beginnen mit der Urgeschichteund führen zu den Ehrenbürgern, sie zeigen die erste ur-kundliche Nennung und bilden abschließend die Vereinephotographisch ab. Darüber ist früh etwa in der Öster-reichischen Bürgermeister- Zeitung des Jahres 1961- ge-lästert worden: ,,, Heimatbücher'- ja! Aber dann wirklichein solches und kein- Jahrmarkt der Eitelkeiten!" 20 Demhier geforderten wirklichen Heimatbuch ist freilich Kritikgleichfalls nicht erspart geblieben. Und doch: DieGemeindechroniken und Stadtbücher beinhalten- vonLaien geschrieben oder mit Hilfe von Wissenschaftlernaufgerüstet- eine Botschaft, die der lokalen Zeichenkulturähnelt und den Gemeindezeitschriften verwandt ist( Nr. 5,109, 124). Es ist die Hoffnung, mit wenigen Symbolenselbst auch ein Stück harmonischer und integrativer zusein als Staat und Gesellschaft.

Heimatproduzenten

Es bestehen zahlreiche wohl auch bemühtere und mitSicherheit kritischer gesinnte Gegenentwürfe zu den hiervorgestellten heimatlichen Erkennungszeichen. DieserEssay handelt vom Versuch, mit heimatlicher MassenwareEigenständigkeit zu betonen und Unterscheidbarkeit her-zustellen. Dies ist keinesfalls abwertend gemeint, sondernbeschreibt Produktionsbedingungen, die eingangs alsautochthon charakterisiert wurden, auch wenn einegenauere Nachschau fließende Übergänge der Zeichen undBegriffe gezeigt hat. Tatsächlich gemeint ist eine altertüm-lich anmutende Heimatkreation: durch den pensioniertenLehrer, der die Abfassung des Gemeindebuches verspricht( Nr. 16) und der alte Bauwerke rettet( Nr. 32), durch dasHeimatmuseum, das als wenig besuchtes Depot die wie-dererweckbaren Objekte bereitstellt( Nr. 17, 88, 108),durch die kleinen Firmen, die mit ihren Sujets kein großes

,, Es ist sozusagen ein aufgeblähtes Siegellack-siegel; was früher noch einen Sinn gehabt hat,ein Dokument sozusagen. Mich interessierennur der Auftrag und die Stückzahl. Ich fragemich gar nicht:, Was machen die damit?'Das interessiert mich gar nicht."

,, Fünfzig bis hundertfünfzig Stück kosten vier-undneunzig Schilling plus Mehrwertsteuer-pro Stück. Dazu kommen Klischeekosten vonneunhundertfünfzig Schilling": Silikonformenösterreichischer Gemeindewappen für das

variable Innenleben

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