Marktgemeinden angeschrieben wurden, schließlich einenRücklauf von knapp 7 Prozent, wobei die eingelangten162 Sendungen in regionaler Verbreitung ihre Schwer-punkte in Oberösterreich( 58 Einsendungen) und Nieder-österreich( 36 Einsendungen) hatten. Eine deutlich akzen-tuierte Gewichtung- das Burgenland bildete mit einerEinsendung das Schlußlicht, Wien sandte nichts-, überderen Ursache jede Vermutung unsererseits müßig undauch kaum von Interesse ist. Waren es doch andere, eherqualitative Einschränkungen, die es bei unserer beschrie-benen Vorgangsweise in Kauf zu nehmen und zu überlegengalt. So mußte von vornherein zweierlei einkalkuliert wer-den: der Status der Adressaten, der in den übermitteltenObjekten den Reflex einer Art„ Funktionärsheimat" ver-muten ließ, sowie deren Erwartungshaltung selbst, wie sienicht nur durch Titel(„ Schönes Österreich"), Anlaß( Mil-lennium) und Eröffnungstermin( Nationalfeiertag) derAusstellung, sondern vor allem wohl auch durch derenSituierung in einer volkskundlichen Institution, die demAusdruck ,, Heimat" im Betreff eine zusätzliche Konnota-tion verleiht, geschürt wurde.
Beide Tendenzen- naturgemäß nicht in scharfer Trennungzu sehen manifestierten sich im Rücklauf: der erwarteteoffiziös- behördliche Touch ebenso wie der Rekurs aufSelbstidentifikatorisch- Heimatliches. Gut ein Drittel derGemeinden legten ihren Sendungen Ortsprospekte undtouristisches Werbematerial bei- bei einigen bestand das„ Stück Heimat“ ausschließlich aus solchem-, und imübrigen schickte man großteils lokale Unverwechselbar-keit suggerierende Signets in Form ortsbezogenen Schrift-tums( Chroniken, Heimatbücher etc.), mehr- weniger auf-wendig präsentierter Veduten oder anderen Ausweisen ört-licher Identität von individueller oder massenproduktiverHerkunft. Der beschriebenen Vorgangsweise entsprechend,die Auswahl und Kommentierung zur Gänze in die Händeder Einsender legte, oszillierte die Qualität der Einsen-dungen wie der kaum fehlenden Anmerkungen der jewei-ligen„ Sachbearbeiter“ zwischen Professionalität, Origi-nalität und Dilettantismus eine Bandbreite, die durchdie Art der Präsentation in der Ausstellung unterstrichenwurde, die Unterschiede hinsichtlich Größe, Bekannt-heitsgrad, historische wie wirtschaftliche Bedeutung dereinzelnen Gemeinden bewußt nivellierte.
Wie sehr auch die Kollektion auf den ersten Blick vomModus ihres Erwerbs tangiert und in ihrer Intention undGestalt von vorhersehbarer Einheitlichkeit geprägt seinmag, zeigt sie sich dennoch nicht nur als von bemerkens-werter individueller Varianz geprägt, sondern spiegelt zu-gleich ein Phänomen, das selektiverem Zugang wohl ver-schlossen geblieben wäre. In ihrer Gesamtheit zwischenDurchschnittlichkeit und prononcierter Individualität und
Originalität changierend, weisen die Objekte in anschauli-cher Paradoxie in ihrem Streben und Vorsatz nach kom-munaler Repräsentation zugleich auf deren Scheitern. DasWort von der„ Bastelidentität“, das die Zurückgeworfen-heit des Individuums auf sich selbst und damit zugleich innotwendiger Konsequenz auf Vorfabriziertes meint, giltauch für das selbstkonstruktive Bemühen des wie immersich definierenden Kollektivs. Kaum eines gibt sich hierkampflos geschlagen und„ kann mit keinem typischenObjekt aufwarten"( Nr. 81). In der Regel wappnet mansich mit Versatzstücken aus dem Arsenal heimatindustri-eller Produktion, von Wachsmedaillon, Gemeindewimpelund Wappenteller aus zentraler Manufaktur bis zumGemeindeled in lokal intendiertem Schriftdialekt.Das Zufallsprinzip, das unter dem Diktat fragmentierterDaseinverhältnisse jede Form der Selbstdokumentation alseiner„ Denkmalpflege der Identität“ ³ leitet, mag auch derRecherche als der professionellen Form des Sammelns an-gemessen sein. Sie hat ihre museologischen Pendants: Seies in dem gegenwartsdokumentarischen Ansatz, der dieEntscheidung über das Sammelns- und Ausstellungswertean ein Musealisierungspraxen zunehmend internalisieren-des und solcherart kompetentes Publikum delegiert- undsich dabei wohl keine Sorge zu machen braucht, daß bei-spielsweise die Toleranz, mit der eine„ dem treuen Gast"gewidmete Gedenkmedaille( Nr. 111 u. Nr. 7) für bareMünze kommunalen Selbstwertgefühles genommen wird,Blindheit gegenüber den ubiquitären touristischen Markt-mechanismen verriete. Sei es in jenen immer beliebterenAusleseverfahren, die über per weitgesteckter Definitionoder anderen akzidentiellen Selektionskriterien niedriggenug gehaltenen kollektionsregulierenden Hürden in einweites Feld der musealen Darbietung führen, wo alles sichfinden kann, vom archetypisch genommenen„ Werk'-zeug“ über alltagskulturelle„ Bananitäten“ bis hin zumuferlosen„ Strandgut“. Oder sei es auch in dezisionisti-schem Zugriff- eine andere Art des Zufalls-, der eigeneVorlieben zum Maßstab des Repräsentativen nimmt³.Letzteres freilich, wie sehr zeitgeistig- spielerisch auch auf-tretend, hat seinerseits auf explorativer Ebene sein biederesGegenstück in jenen akademisch etablierten„ Fragen andas Volk", die in streng methodischer Fokussierung deseigenen Blicks dessen Subjektivität überwinden zu könnenglaubten. In dieser Tradition volkskundlicher Untersu-chungen findet sich auch eine der vorgestellten Recherchethematisch vergleichbare Erhebung.
1956
„ Die Kommission für den Volkskundeatlas in Österreichhat auch die Stadtvolkskunde in ihren Arbeitsbereich auf-genommen." Auf der Konferenz für volkskundliche Karto-
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