Aus Merleinsraut, also dem Suchener Hochtal, das so viel Eigentümliches undAltertümliches bewahrt hatte, kam noch die Mitteilung von einer besonderen Handlung.Nach dem Segen standen alle Hochzeitsleute in einem Kreis beisammen und die Mutterging dreimal um sie herum und besprengte alle mit dem Weihwasserzweiglein. Auf meineFrage, in welcher Richtung sie herumging, ergab sich, daß das immer in der Gegenrich-tung zum Laufe des Uhrzeigers geschah, also ,, gegensonnen". Das ist der uralte Abwehr-kreis, der Böses ausschließen soll.
Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der„ Johannessegen" an und für sich ein Ab-schiedstrunk ist, den man auch vor Antritt einer Reise trinkt.
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,, Wenn sie die Braut hinausführen, wirft der Brautführer das Trinkglas der Brautüber das Dach. Wenn es zerbricht, bringen die Scherben Glück"( Göttenitz, Masern);überhaupt muß bei der Hochzeit etwas zerschlagen werden,„ das ist Glück"( Morobitz).Das Werfen eines besonderen Gegenstandes über das Hausdach kommt bei verschiedenenBräuchen vor. Besonders reich bezeugt ist in Südtirol und Salzburg das Werfen einesgeweihten Ostereies über das Hausdach. Dabei spielt der Glaube an einen segnendenSchutzkreis über dem Hause mit. Andererseits soll aber wie hier ein Gefäß, daszu solch wichtiger Handlung verwendet wurde, keinem weiteren profanen Gebrauchedienen. Und natürlich und letztlich bedeuten eben Scherben auch Glück. Hauffen( S. 81) erwähnt, daß sich die Braut nach der Trauung ehemals auf das Pferd zu demBräutigam schwang, mit ihm einen Krug Wein trank und dann den Krug über den Kopf( also nach hinten) zu Boden warf. Davon erzählten sie mir bei meinen Befragungen nichtsmehr. In Kärnten( Radenthein) erlebte ich es, daß beim Gang zur Trauung vor derKirche vor der Braut ein Krug zu Boden geworfen wurde. So viel Scherben, so viel Kin-der, hieß es.
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Aus Suchen wieder dem gleichen Hochtal erfuhr ich noch von einer weiterenbemerkenswerten Handlung:„ Eine alte Frau ist gekommen mit einem Besen und istherumgerannt um das Brautpaar und hat ausgekehrt, wenn die Braut aus dem Haus istbeim Abholen." Ein ganz ähnliches zeremonielles Kehren, das in einen weiten Zusam-menhang gehört, erlebte ich bei einer Siebenbürger Hochzeit in Urwegen. Da wurde diejunge Frau am Morgen nach der Hochzeitsnacht im Feststaat der jungverheiratetenFrauen zur Kirche geleitet. Vor und hinter ihr knallte je ein Mann mit einer Peitscheund vor ihr kehrten zwei Mädchen symbolisch mit Besen. Gewiß kein bloßes Straßen-reinigen, sondern wie das Peitschenknallen eine Handlung, die etwas bedeutet. 165
Über die Reihung des Zuges beim Gang zur Kirche gibt es einige Angaben. DerMusikant ging üblicherweise als erster. Dann folgte in Ebenthal die von zwei Burschengetragene Fahne. Im genannten Ort, aber auch in Mösel, Grafenfeld und überhaupt imVorland kommt als nächste die Braut, geleitet vom Brautführer oder den Nochtrattarn.Dann folgte der Bräutigam mit den Kranzljungfern Glossar ::: zum Glossareintrag Kranzljungfern, die für sich gehenden Beistände,die beiderseitigen Eltern und dann alle anderen. In Mösel gehen der Staraschiner unddie Viererin miteinander. Dagegen kam in Lichtenbach der Bräutigam mit seinen Kranzl-jungfern Glossar ::: zum Glossareintrag jungfern vor der Braut. An die Hauptpersonen schlossen sich dann die übrigen Ver-wandten, Freunde und Nachbarn, alle paarweise.
Bei jedem Neubeginn finden sich vorbedeutende Handlungen, denken wir nur an dasNeujahrsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Neujahrsbrauchtum. Auch bei der Hochzeit fehlt dergleichen nicht. So soll die Braut einGeldstück im Schuh haben, damit ihr im künftigen Leben nie das Geld ausgeht. 166
165 R. Wolfram, Die Kehrgestalt im europäischen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, in: Volkskultur, Menschund Sachwelt, Festschrift f. F. C. Lipp, Wien 1978, S. 335-350.
166 Masereben, Grafenfeld, Rieg, Kotschen und überhaupt im Hinterland, Hinterberg,Merleinsraut, Tschermoschnitz, Katzendorf, Reichenau, Mairle, Koflern, Mitterdorf, Göttenitz,Altlag.
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