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Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee
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IX. Die Hochzeitsbräuche

1. Einleitung

Die Hochzeit

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nicht umsonst trägt sie diesen Namen ist der Höhepunkt immenschlichen Leben. Begreiflich, daß sie in eine Fülle von Glaubensvorstellungen, Bräu-chen und vorbedeutenden Handlungen eingebettet ist. In ihnen hat das Freudige seinenPlatz, denn dieses Fest ist getragen von der Wärme des Glückes und allen Hoffnungenfür die Zukunft. Aber es bedeutet auch eine große Wende, denn ein neues, von eigenerVerantwortung geprägtes Leben beginnt. Darum auch Besinnlichkeit, Ernst und Weiheund mannigfacher Versuch, die Wünsche an die Zukunft in die Wirklichkeit zu lenken,Orakel und wirkende Handlung. Manches daran treibt seltsame Blüten, ist aber nichtnur mit der Elle des Aberglaubens zu messen. Vieles ist zeichen- und symbolhaft, was sichoft nur dem tiefer dringenden Blick offenbart.

Viele Grundzüge des Hochzeitsfestes ähneln einander aus allgemein menschlichenGründen über weite Gebiete hin. Und doch gibt es größere und engere Kulturland-schaften auch hier. Mein Versuch, die Hochzeitstänze Europas zu überblicken, ergab z. B.drei Großgebiete: ein mittel- und nordeuropäisches, ein westeuropäisches und ein ost-europäisches. 142 Der zeremonielle Brauchtumstanz Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumstanz und nur diesem galt die Unter-suchung ist auch deshalb als Einteilungsgrund geeignet, weil er in der Hochzeit eineentscheidende Handlung ist. Sogar Namen für die Hochzeit sind davon geprägt: schwe-disch bröllop", germanisch brudhlauftiz", mittelhochdeutsch brudlouft" enthaltendas Wort ,, laufen", das in der alten Zeit springen, tanzen bedeutete, wie die alten Glos-sen beweisen. Die Großlandschaften dieser Hochzeitstänze umfassen jeweils zwar meh-rere Volksbereiche. Trotzdem ist es für uns bemerkenswert, daß eine der Scheidelinienzwischen Mittel- und Osteuropa verläuft. Die Gottschee liegt hier gerade am Rande. Siegehört zum deutschen und mitteleuropäischen Brauchtumsgebiet Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumsgebiet, ist aber nicht ohne Ver-bindung zur anderssprachigen Umwelt. Wobei außerdem ins Gewicht fällt, daß dasBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum der Slowenen und Kroaten dem mitteleuropäischen nähersteht als das übrigeSüdosteuropa.

Bei meiner Untersuchung möchte ich drei Gesamtschilderungen der Hochzeit ausverschiedenen Teilen der Gottschee im Wortlaut( aber in hochdeutscher Übersetzung)voranstellen. Die ausgewählten Ortschaften Ebenthal, Rieg und Merleinsraut liegen imNorden, der Mitte und dem Westen der Sprachinsel und lassen schon etwas von der land-schaftlichen Gliederung auch der Volkskultur erkennen. Daran schließt sich das Be-trachten der Einzelmotive in den Abschnitten Werben und Vorbereitungen, Kranz-binden", Vor und nach der Trauung, Mahl und häusliches Fest" sowie ,, Im neuenHeim, Ausklang". Ein Abschnitt mit Zeit- und Volksvergleichen bildet den Schluß.

2. GesamtschilderungenEbenthal

Wenn zwei Liebesleute sich einig waren, gingen der Vater, der Sohn und ein Werberin das Haus des Mädchens. Der Werber mußte zuerst reden und zwischen den Schwieger-142 Wolfram, Volkstänze( vgl. Anm. 137), S. 113–126.

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