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Gedenkschrift für Leopold Schmidt (1912 - 1981) zum 70. Geburtstag
Entstehung
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LEOPOLD SCHMIDT UND DIE

ÖSTERREICHISCHE AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN

Von Herbert Hunger

1978 wurde Leopold Schmidt der Wilhelm- Hartel- Preis der Öster-reichischen Akademie der Wissenschaften verliehen. In der Urkundeheißt es:

,, Der Preis wurde Ihnen in Würdigung Ihrer wissenschaftlichenArbeit für die europäische Volkskunde im allgemeinen und für jeneÖsterreichs im besonderen verliehen, die sich in Ihren qualitativ höchsteindrucksvollen und quantitativ stupenden Publikationen dokumen-tiert. Sie haben darüber hinaus durch Ihren Einsatz für die Gegen-wartsvolkskunde das Profil der traditionellen Disziplin wesentlichverändert. Das durch Ihre Initiative geschaffene Institut für Gegen-wartsvolkskunde unserer Akademie beginnt sich mit seiner aktuellenZielsetzung aus bescheidenen Anfängen höchst erfreulichentwickeln."

zu

Bis in die Jahrzehnte der Zwischenkriegszeit war es für Gelehrte, dieauf den Gebieten der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften arbei-teten, selbstverständlich, daß sie ihre Bücher und Aufsätze so gut wie imAlleingang produzierten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann dieTeamarbeit um sich zu greifen, die sich seit Jahren auch dem Einsatzelektronischer Datenverarbeitung öffnet. Leopold Schmidt war stetsein hervorragender Vertreter der wissenschaftlichen Einzelarbeit, dernur im Rahmen seiner akademischen Lehrtätigkeit Anregungen mitFachkollegen und Schülern austauschte, ansonsten aber mit unwahr-scheinlichem Eifer seine zahlreichen Bücher auf Grund seiner ver-blüffenden Materialkenntnis und seiner begnadeten Zusammenschauder Menschen und Dinge mit scheinbar leichter Feder schrieb.

Als Leopold Schmidt 1967 zum k. M. und 1970 zum w. M derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften gewählt wurde, trat ernicht nur in eine Gelehrtengesellschaft alter Tradition ein, sondernzugleich in eine dynamische Institution, die auf dem Wege in for-

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