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Wegmüssen
Waldviertler Totengebräuche informiert die schon mehrfach zitierte Literatur vonHeinrich Rauscher und Leopold Schmidt.71
Als vermeintliche Todesvorzeichen galten im Entsiedlungsgebiet das besondereHeulen des Haushundes oder ein besonderes Krachen der Haustür am Tag vor demSterbetag. Sterbende kündigen sich bei nahestehenden Personen auch durch beson-dere Zeichen an, durch das Stehenbleiben der Uhr, das Herabfallen eines Bildes,durch das Aufgehen einer Tür. Man nannte solche Todesvorzeichen„, sich anmel-den". Blieb beim Erdäpfelsetzen oder beim Säen des Getreides ein leerer Fleck aus-gespart, so wurde dies als Zeichen für eine„ Totentruch'n" in dem betreffenden Hau-se angesehen.72
4.4.1. Einleitendes- Brauchforschung
Auf all die vielen Fragen, die im Zusammenhang mit sogenannten Volksbräuchen in-nerhalb einer historischen Untersuchung mit Blick auf die Gegenwart unter demAspekt des Wandels gestellt werden könnten und sollten, kann hier nicht näher ein-gegangen werden. Bräuche unterliegen- wie man inzwischen weiß wie alle Berei-che der Volkskultur, einem stetigen Wandel, auch wenn sie, bei oberflächlicher Be-trachtung, oft durch Elemente von Beharrung, Althergebrachtem und Traditionengekennzeichnet scheinen. Einem ähnlichen Wandel wie der Forschungsgegenstand„ Brauch" selbst, unterliegt auch die Brauchforschung, die in den scheinbar oft so al-ten Sitten und Gebräuchen heute nicht mehr ein Relikt einer nicht näher greifbaren,von Fruchtbarkeitskulten und Dämonenbeschwörung durchwehten Frühzeit sieht,sondern ein historisch faßbares Phänomen in soziokulturellen Bezugsfeldern.
Der heutige Forschungsstand hinkt den postulierten Erkenntniszielen allerdingsnoch ein wenig nach. Es existieren in der volkskundlichen Literatur immer nochmehr Brauchbeschreibungen als Brauchanalysen. Dabei interessieren uns zunächstdurchaus auch die Form und die Gestaltungselemente, aber danach drängen sich so-fort die Fragen nach dem Woher eines Brauches auf und nach dem Warum. Überlie-ferte Bräuche sind gewissermaßen Strategien zur Lebensbewältigung. Sie dienen alsstabilisierendes Element im Jahres- und im Lebenslauf. Sie gliedern die Zeit in über-schaubare Abschnitte aus Arbeitszeiten und Festzeiten. Sie legen kulturelle Normenfest und dienen als Orientierungsmuster für ein Sozialsystem. Es gibt Bräuche, diein der Öffentlichkeit ablaufen, an denen eine Dorfgemeinschaft teilnimmt bezie-hungsweise manche Mitglieder dieser Dorfgemeinschaft aus ganz bestimmten Grün-den nicht teilnehmen( dürfen), manche haben sogar einen ganz ausgeprägten Schau-charakter, andere hingegen vollziehen sich mehr zurückgezogen im häuslichen, fami-liären Bereich.
71 H. Rauscher, Volkskunde..., a.a.O., S. 58- 60; Schmidt, Volkskunde von Niederöster-reich, a.a.O., Band 1, S. 423-429.
72 Nach Aufzeichnungen der„ Arbeitsgemeinschaft Waldviertel“, Archiv des Österreichi-schen Museums für Volkskunde.