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3 (1917) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 3.
Entstehung
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Es ist klar, daß das Volkstümliche sich dort am stärksten ausspricht, wo es sozusagen durch den Gegenstand veranlaßt ist; und das scheint mir einerseits in der Breiteder landschaftlichen Darstellung der Fall zu sein, andererseits aber vor allem in der Auf-fassung des heil. Josef und der Hirten. Hier sind Gestalten aus den bäuerlichen Weih-nachtsspielen lebendig geworden, Gestalten, wie sie fast auch jede alte Krippe enthält.

Mit der Gegend, aus der unser Bildwerk stammt, verbinden es manche Andeutungenim Beiwerk, so vor allem die Zaunform rechts( Pfosten und wagrechte Bretter) und dieGlocke auf dem Hausdach, deren Verwendung gerade für den steirisch- kärntnerischen Grenzbereich St. Lambrecht- Friesach sowie für den Lungau erwiesen ist, obwohl sich die Glockein ihrem schlichten Balkengerüst auf dem Ziegeldach des ansehnlichen Herrenhauses( werdenkt nicht an einen Gülthof?) ganz merkwürdig ausnimmt.

Irgendwelche Möglichkeiten für eine genaue Zeitbestimmung fehlen; Altertümlicheswie die bühnenmäßige Darstellung der Hauptszene, jüngeres wie die Auffassung der heil.Maria( Art des ausgehenden XVI. Jahrhunderts), oder die Tracht des Hirten kommt neben-einander vor.

Die Bedeutung des Bildwerkes aber liegt in seinen die überlieferten Formen derDarstellung des Ereignisses durchaus erfüllenden volkstümlichen Zügen.

Zwei Beispiele steirischer Hirtenkunst.

Von Professor Dr. M. HABERLANDT.

( Mit Tafel XXIII- XXV und Fig. 1 auf Tafel XXII.)

Zu den eindruckvollsten und schlagendsten Bekundungen des volkskünstlerischenTriebs in den tiefsten bäuerlichen Schichten der deutsch- österreichischen Bevölkerung ge-hören unstreitig die Hirtenarbeiten. Ohne unmittelbare Vorbilder aus den höherenKunstsphären stehen ihre Erzeugnisse als reine volksmäßige Formschöpfungen da, lediglichspielerischer Lust entsprungen, wie sie das ungelernte Kind des Volkes in seinen Muẞe-stunden manchmal schöpferisch verspürt.

Zwei Peitschenstiele aus Steiermark, vom Typus der großen für das Aperschnalzenverwendeten alpenländische Stücke, wie sie auch aus verschiedenen Tiroler Tälern( sodem Ultental) in reicher volkstümlicher Auszier bekannt geworden sind, bilden ein in-teressantes volkskünstlerisches Problem. Sie sind im Laufe einiger Jahre, auf ganz verschiedenen Wegen, durch eine merkwürdige Zufallsfügung dem k. k. Museum für öst.Volkskunde durch den Altertumshandel aus Steiermark zugekommen. Beide Stückerühren unzweifelhaft von einer Hand her, entstammen( bez. 1760 und 1777) derzweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also jener Zeit, aus welcher wir die meisten, vor-züglichsten und mannigfaltigsten Arbeiten der Volkskunst in Österreich überkommenhaben. Sie sind ein geradezu klassisches Zeugnis jenes oben erwähnten, zunächst bloß zueigener Lust, oft mit undankbarster Wirkung, dabei mit dem größten Aufwand an Zeitund Mühe durchgeführten volkskünstlerischen Schaffens. Die derben und langen Stiele,die beide mit den charakteristischen Faustknäufen ihren Abschluß finden( Taf. XXII, Fig. 1)zeigen sich, wie in ihrer allgemeinen Form, so auch in ihrer Verzierung und deren Stilals absolut analoge und gleichartige Werkstücke, die fast auf handwerklichen Ursprungschließen ließen, wenn dem nicht der ganze Charakter der unglaublich zeitraubenden undundankbaren Verzierungsart entgegenstehen würde. Beide Stücke sind in ganz verwandterArt mit feinsten, dem freien Auge nicht überall deutlich erkennbaren Zeichnungen, in