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delten Taschenfeitel Tafel V, Fig. 4, mit der Darstellung einer oberösterreichi-schen Bäuerin, auf die Taschenfeitel in Stiefelform( Tafel IV, Fig. 6), endlichauf die beiden großen und hervorragenden Exemplare Tafel I, Fig. 3 und 10und Tafel V, Fig. 1. Namentlich das große erstgenannte Einschlagmesser istein wahres Prachtstück der Volkskunst, sowohl was Stoff als Form seinerZiermotive betrifft. Sein Beinheft von 26 cm Länge ist rundum mit eingeritztenSeriendarstellungen des Leidens Christi( Christus gefesselt, gestäupt, Christusträgt sein Kreuz, Ecce homo, Christus wird zum Kreuz geführt, ans Kreuz ge-nagelt, gekreuzigt, auferstanden, Himmelfahrt), mit der Krönung Mariens undendlich mit Darstellung des hl. Georg in naivster Ausführung und Anordnungder Szenen geschmückt. Es ist laut Bezeichnung 1660 hergestellt und stelltgewiß eines der interessantesten Exemplare seiner Gattung dar, kein hand-werksmäßiges Erzeugnis, sondern wohl in echt volkskünstlerischer Weise zueigenem Gebrauche mit ungelernter Hand in mühsamer Art geschmückt.
Es ist nur ein kleiner Bruchteil aus der mehrere hundert ausgewählterStücke zählenden alpenländischen Messer- und Bestecksammlung des k. k. Mu-seums für österreichische Volkskunde, der vorstehend zur Abbildung und Be-sprechung gelangt ist; aber die getroffene Auswahl genügt wohl, um einerseitsdie formale Abhängigkeit auch dieses Zweiges unserer Volkskunst vom höherenKunstgewerbe früherer Jahrhunderte zu erweisen und anderseits das sieg-reiche Eindringen des Volksgeschmackes auch in eine ihm technisch fern-liegende Arbeitssphäre zu erhärten.
Die Federbilder.
Ein erloschener Zweig Egerländer Volkskunst
von ALOIS JOHN, Eger.
( Mit Tafel VII und einer Textabbildung.)
Zu den vielen, einst blühenden, heute längst erloschenen Arten der Volks-kunst gehörten auch die sogenannten Egerer Federbilder.
In den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts waren sie noch allenthalbenzu sehen, in der Stadt und auf dem Lande, in den guten Stuben der Bauern-häuser. Zu meinen Jugenderinnerungen und-eindrücken gehören noch zweifarbenfrohe Vogelbilder, die in der guten Kammer hingen: ein wunderschönerGockelhahn mit prächtigen natürlichen, auf Papier geklebten Federn, gemaltemKopf und Füßen und eine schlichtere Gans oder Ente. Heute ist diese eigen-artige, wie es scheint auf Eger allein beschränkte Form der Volkskunst gänz-lich erloschen; nur sehr selten und nicht geschätzt trifft man sie heute noch inirgend einem entlegeneren Bauernhofe an, die Federbilder sind Sammler- undMuseumszwecke geworden und auch nur bei Antiquaren, Liebhabern und in Museennoch zu finden. Auch der früher so eifrige Stamm der ausübenden Männerund Frauen in Eger ist erloschen und damit ein für jene Zeit immerhin lohnen-der Nebenerwerb und Geschäftszweig. Über die Gründe dieses Niedergangesläßt sich wenig sagen. Der Geschmack und das Gefallen der Zeiten ist wandel-bar und wechselt, Gunst und Ungunst lösen sich ab. Was lange Zeit gefiel,