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3 (1917) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 3.
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Spätgotische Flachdecken und Möbel aus Vintschgau und

Graubünden.

Von Dr. KARL von RADINGER( Innsbruck).

( Mit Tafel XVII und XVIII, sowie 8 Textabbildungen).

In kleineren Kirchen Vintschgaus und des benachbarten Bündnerlandes sindflache Holzdecken seit jeher beliebt gewesen, ich erinnere nur an die bemalteromanische von un

gefähr 1130 in Zillis,die spätgotische mitMaßwerk gezierte vonSt. Vigilius in Morterund die fast schmuck-lose der SchloßkapelleMatsch vom JahreEine zeitlich

1648.

und örtlich begrenzteGruppe dieser Flach-decken, interessantdurch ihre Technikund volkstümlicheOrnamentik, soll imFolgenden besprochenwerden. Ich lege zuerst das mirkannt gewordene Material vor:

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Fig. 22. Deckenbrett im Museum für Tiroler Volkskunst und Gewerbe( Innsbruck).

1. Kloster St. Johann in Münster( Graubünden), in der romanischen Heiligkreuz-kapelle am Friedhof, die nach dem Brande von 1499 unter der Äbtissin Barbara vonKastelmur( 1511-29) wieder hergestellt wurde. Im 17. Jahrhundert wurde das Inneredurch Einziehen eines Zwischenbodens in zwei Stockwerke geteilt, so daß die Decke sichjetzt im Obergeschoß befindet. Maße 400X720 m, Zirbelholz, durch Leisten in 4 × 3 nichtganz gleich lange Felder geteilt( Länge 1'60-2'00 m, Breite 130 m). Die Teilungsleistenzeigen in Flachschnitzerei die gewöhnlichen, spätgotischen Blattranken, die Randleistensind einfacher gehalten. In den Seitenfeldern wechseln verschieden gebildete Rosetten mitzwölfstrahligen Sternen. Die Mittelreihe zeigt von unten nach oben die Gestalt einesNarren, der aus einem Distelkopfe hervorwächst, die Jahreszahl: milesimo quingen/ tesimoet vigesimo( 1520), einen Kübel voll Ähren und als baldachinartigen Abschluß phan-tastisches Laubwerk. Die Konturen sind scharf eingeschnitten, Spuren grüner Farbe wahr-nehmbar, der Grund ist holzfarben. I. Zemp und R. Dürrer: Das Kloster St. Johann zuMünster in Graubünden. Kunstdenkmäler der Schweiz. Mitteilungen der SchweizerischenGesellschaft für Erhaltung historischer Kunstdenkmäler. Neue Folge VII. Genf 1906.Tafel LIII nach Zeichnung von Th. Wehrli, darnach verkleinert Tafel XVII.