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Eine Darstellung der Gründungslegende von Maria Hietzing
( Wien XIII).
Von Dr. OSWALD MENGHIN, Wien.
( Mit Tafel XII.)
Das niederösterreichische Landesmuseum hat aus dem Altertumshandel eine Darstellungder Gründungslegende der ehemals sehr blühenden, heute nur mehr wenig besuchtenWallfahrt Maria Hietzing, die mit der zum Stifte Klosterneuburg gehörigen Pfarrkirche Hietzingverbunden ist, erworben. Das Bild( vergl. Tafel XII) ist auf Leinwand gemalt, 80: 60 cm groß,und wurde vom k. u. k. Restaurator Fr. Antoine gereinigt, neu aufgezogen und gespannt, sodaß es nun einen sehr repräsentablen Eindruck macht, der durch einen prachtvoll geschnitzten,in Schwarz und Gold gehaltenen Barockrahmen noch wesentlich erhöht wird. Wie die Rahmen-schnitzerei dem höheren Kunstgewerbe angehört, so darf auch das in die Zeit um 1750 zudatierende Bild als eine Leistung bezeichnet werden, die den Grad rein volksmäßiger Kunstübungweit übersteigt. Durch den Gegenstand und die Auffassung der Darstellung reiht es sich aberin die große Zahl jener Dinge ein, die wegen des überaus volkstümlichen Charakters derspäteren Barocke in gleicher Weise als Werke der Volks- wie der höheren Kunst betrachtetwerden dürfen. Der Meister unseres Bildes ist nicht bekannt, es verrät ihn auch keine Si-gnatur. Zu den ganz Großen seiner Zeit, deren Hand auch bei unserem noch viel zu geringenWissen über die Epoche schon eine Bestimmung zuläßt, gehört er nicht; sein Können stehtaber gewiß über dem Mittelmaß.
Die Darstellung zeigt im Vordergrunde einen Baum, in dessen Zweigen, von Licht um-flossen, das Gnadenbild von Maria Hietzing ruht. Unten befinden sich fünf Männer, alle inlebhaftester Bewegung, stehend oder knieend, die einen zur Gottesmutter emporflehend, dieandern mit allen Zeichen der Überraschung zu ihr emporblickend. Sie tragen an Händen undFüßen Ketten, die jedoch zumeist gebrochen sind. Im Hintergrunde bewegt sich auf einer ge-birgigen Landschaft eine Kriegsszene; einige friedliche Bürger werden von türkischen Reiternverfolgt und mißhandelt; auch sie eilen flehend dem Gnadenbilde zu.
Die Erklärung dieses Bildes liefert uns die Gründungslegende der Wallfahrt. Dorf undKirche zu Hietzing sind uralt und haben viele Zerstörungen mitgemacht; der jetzige Bau derKirche stammt im Wesen aus der Zeit nach 1529, wo die alte kleine Kapelle von den Türkengänzlich zerstört worden war'. Während wir also darüber genügend unterrichtet sind, liegtdie Frage, wann die besondere Marienverehrung begonnen hat, so ziemlich im Dunkeln.Augustin Ristl, der 1730-1740 und dann noch einmal 1750 Administrator der Pfarre Hietzingwar, will sie in seinem Traktat ,, Maria voll der Gnaden zu Hietzing, Das ist ausführlicherBericht von dem uralten Gottes- Haus der regulirten Chorherren des H. Aug. zu Hietzing ohn-weit Wienn in Österreich, und daselbst sonderbahr verehrten Gnaden- Bildnus Mariae" bis ins14. Jahrhundert hinaufschrauben³, indem er der Ansicht Ausdruck gibt, es sei an der Wid-mung von drei Pfund Wiener Pfenningen„ zu einer ewigen Messe vnd zu einem ewigenselgeret hincz vnser vrowen gen Hyetzing auf sand Bryden altar" durch Johanna, Herzogin
Über die Geschichte von Hietzing vergl. Topographie von Niederösterreich IV., 1896, S. 248, besondersaber den ausführlichen und inhaltsreichen Aufsatz von W. Paucker, Die Pfarrkirche von Hietzing, Alt- Wien,VIII, 1899. S. I, 13, 29, 55, 73, 100, 124.
2 Wien, Kurtzböck, 1738. Eine zweite Auflage des beliebten Büchleins erschien 1759. Es enthält, wie diemeisten dieser Schriftchen, verschiedene volkskundlich bedeutsame Dinge, so insbesondere S. 99 ff. einigeVolksmeinungen und Sagen über das Stift Klosterneuburg und den Kahlenberg, gegen die Ristl Stellung nimmt,ferner S. 187 ff. Erzählungen von Wundertaten und Votivspenden zu Maria Hietzing, S. 200 ff. eine Dankrede zur,, zwey hundert- jährigen Feyer- Begängnus" der Wallfahrt. Ristl verweist( S. 199) alle, die noch mehr von denWundern der Hietzinger Gnadenmutter wissen wollen, auf ,, die zwey in Jahren 1662 Lateinisch- und 1717 Teutsch-gedruckten Büchlein". Unter dem ersten ist Hartmann Kaisers ,, Maria Hietzingensis, seu miraculorum multitudofamosissimae Imaginis Hietzingensis, Beatae et Gloriosae Virginis Mariae" gemeint. Das Schriftchen von 1717 hatRist selbst verfaßt und betitelt sich ,, Wunder und Andacht vor und zu dem marianischen Gnaden- Bild zu Hietzingin Unter- Österreich". Vergl. Paucker 1. c. S. 124 f.
L. c. S. 121.