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3 (1917) Werke der Volkskunst : mit besonderer Berücksichtigung Österreichs. 3.
Entstehung
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noch viel mehr die Identität des Serienbaues selber; dem Jünglinge oderKinde soll das Geschenk einer solchen Kette eine heilbringende Vorbedeutungfür alle Lebenslagen sein; je nachdem sich Lebensformen und abergläubischeVorstellungen geändert haben, haben sich die Typen im Laufe der Zeitenetwas verändert; bei den städtebewohnenden Juden sind die auf Landwirtschaftsich beziehenden Symbole naturgemäß in Wegfall gekommen, dafür erscheintals spanische Reminiszenz die Laute; der Grundcharakter aller Ketten ist aberder gleiche. Schon Dr. Burg in Wien hat gelegentlich eines Vortrages im Se-minar von Hofrat Strzygowski die Behauptung eines kunsthistorischen Zusam-menhanges der Kette von Szilágy- Somló mit der rezenten serbischen Ketteausgesprochen; sie scheint auf Grund systematischer Untersuchung durchausgerechtfertigt.

An sich ist es gewiß nicht von der Hand zu weisen, daß das Überlebenabergläubischer Formen aus alter Zeit immer wieder von neuem zur Herstel-lung von Amuletten führen könne und müsse. Dabei bliebe aber die Serien-bildung und namentlich das Vorkommen von Gebrauchsgeräten in den gegen-wärtigen Formen völlig unerklärt und außerdem muß sich auch der Amulett-glaube durchaus nicht immer im Tragen von Emblemen aussprechen, es wirdvielmehr vielfach dem betreffenden Gegenstand selber die Amulettrolle zuge-wiesen. So tragen die Italiener direkt einen Schuh als Schutz gegen den bösenBlick bei sich, die südslawischen Frauen hängen zu demselben Zweck ihrenKindern einen Löffel um den Hals u. dergl. Das Tragen von metallenen Amu-lettketten, deren Wirksamkeit zum großen Teil auch an dem klirrenden Ge-räusch hängt, das sie verursachen, ist eine uralte, aus dem Altertum überkom-mene Sitte; die Römer nannten solche Ketten ,, crepundia"( von crepare: Klap-pern). Sie waren als Geschenk an die Kinder allgemein üblich; sie trugendieses ,, Spielzeug" um den Hals oder an einem Brustband. Über die Anhängselerfahren wir leider nicht viel: Plautus erwähnt unter ihnen einen goldenenSäbel mit dem Namen des Vaters, einen silbernen Dolch, ein Doppelbeil mitdem Namen der Mutter usw., also dem gleichen Gesichtskreise angehörigeDinge, wie sie in allen späteren Zeiten herrschend geblieben sind¹. Auch wirdder Gebrauch von solcherlei Amulettketten auf serbischem Boden selbst durchein Kindergrab aus der römischen Periode bezeugt. Auf der Brust des Ske-lettes ,, befand sich eine Halskette aus verschiedenen Figuren aus Bernsteinähnlich der jetzigen serbischen. Aber sie enthält auch andere Dinge, z. B.schön geformte Teufelsköpfe, Affen, Phallus etc." 2 Ihre Bewahrung bis in dieGegenwart erscheint uns auf Grund der reichen abergläubischen Überlieferungenaus dem Altertum und bei der konservativen Artung der Volkskunst Südost-europas überhaupt leicht erklärbar.

Rein inhaltlich reihen sich die südosteuropäischen Amulettketten einergroßen Gruppe ähnlicher Abwehrmittel an, die in Mitteleuropa, speziell imwestlichen Niederösterreich und Oberösterreich, in Gestalt der sogenannten,, Fraisenketten" eine sehr ähnliche Anwendung erfahren; auch an diesen Fraisen-ketten finden wir stereotype Serien von Anhängseln in Verwendung, die aller-

1 Seligmann a. a. O., II, 272 ff.

2 Schriftliche Mitteilung von Dir. Trojanović.