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Nach Fertigstellung der Ware gelangte sie nun in die Hände der Hau-sierer und Händler. Zumeist geschah der Vertrieb durch die Egerischen selbstund auf Geschäftsreisen nach allen, selbst den entlegensten Ländern Europas( Schweden, Norwegen, Frankreich, Italien, Türkei), aber auch nach Rußlandund Amerika. Von älteren Händlern und Geschäftsleuten aus den Sechziger-jahren werden genannt die Namen: Becker J., Deschauer Jos., Dörfler, DuschIgnaz, Faßmann, Gradl Georg, Gschihai, Hasel, Kölbl Jos. und Stephan, Pistorius,Pfeifer, Sprüẞling, Wolf Georg und Martin Familien, die heute größtenteilserloschen sind. Das ist so ziemlich alles, was durch den Bericht aus dem Jahre1867 über diesen erloschenen Kunstzweig der Egerer Federbilder überliefert ist.Die Aussicht, durch persönliche Nachfrage und Nachforschungen bei etwanoch vorhandenen Kennern und Ausübern dieses Kunstzweiges noch etwas zuerfahren, war denn sehr gering. Trotzdem gelang es mir noch einen ausfindigzu machen, Johann Dusch in Eger, den einzigen, der von all den früher ge-nannten Familien noch übrig blieb und heute allein noch Hersteller EgererFederbilder ist. Er teilte mir auf Befragen eingehend alles über die Verfertigungund die Technik bereits früher Erwähnte mit. Er arbeitet noch mit dem Werkzeugseines im Februar 1901 gestorbenen Vaters Karl Dusch, von dem er auch nochModelle, einen Pfau und viele Bestellungskarten und Aufträge aus fernen Ländern( selbst aus Ägypten) aufbewahrt. Er stellt nicht bloß Vogel- und Tierbilder inallen Größen und Formaten her, auch die früher so beliebten kleinen Stücke:Eichenblätter mit Vögeln oder Trachtenbildern beklebt, Briefpapiere mit schnä-belnden Tauben in der linken Ecke, Gratulationskarten mit Phantasievögeln usw.Von Sammlungen besuchte ich zunächst die im Egerer Stadtmuseum.Hier hängen zehn Tafeln mit Vogelbildern( und zwar Hahn, Eichelhäher, Reb-hühner, Ente, Papagei, Fasan, Schwäne, Wildente, Mauersegler), dann zweiTafeln Eichenblätter, und zwar ein großes Blatt mit einem Egerländer Hochzeits-zug und acht kleinere Stücke mit Egerländer Trachtenbildern. Die schönste undwertvollste Sammlung von Federbildern hat gegenwärtig Herr Ferdinand Ber-nard, Besitzer des Beethoven- Hauses ,, zum großen Meister" in Franzensbad,Kaiserstraße. Zahlreiche der herrlichsten und schönsten Stücke hängen in denKorridoren dieses Hauses, das nahezu einem Museum gleicht und von denKurgästen auch gebührend bewundert wird. Herr Bernard ist ein leidenschaft-licher Sammler von Geschmack und naturwissenschaftlicher Sorgfalt, der keineKosten scheute, um aus diesem Kunstzweig das Vollendetste herauszuholen,und der heute die sehenswürdigsten Schaustücke dieser Kunst besitzt. Nichtnur die einheimische Vogelwelt und die bekanntesten Haustiere sind vertreten,auch fremde exotische Vögel aus der Tropenwelt. Eine kleinere Sammlungrecht schöner Vogelbilder zur Ausschmückung eines Jagdzimmers hat auchHerr kaiserl. Rat J. Bittner, Antonienhöhe. Die Sammlung des verstorbenenDr. Müller in Franzensbad enthält etwa 19 Stück. Sonst mögen in Privatbesitzwohl da und dort noch einige Stücke sich finden, aber groß ist deren Anzahlnicht. Es sind die letzten Reste dieses einst so blühenden Kunstzweiges.¹
Eine Sammlung von 34 handgemalten Vorlagen für die Anfertigung von Federbildern( um 1840) befindetsich im Besitz des k. k. Museums für österreichische Volkskunde. Eine Auswahl davon ist auf Tafel VII zurAbbildung gebracht; ihren besten Reiz bildet freilich die hier fehlende Farbe.