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griffe mit gravierten Messing- oder Zinn-, seltener Silberbesätzen, Knöpfen oderRauten. Nur in seltenen Fällen ist durch Einlagen in Metall oder Perlmuttereine reichere motivische Dekoration durchgeführt, wobei Handwerksembleme( Tafel III, Fig. 1), agrarische Symbole, figurale Darstellungen( Tafel IV, 11)am häufigsten wiederkehren. Die Lederscheiden sind gewöhnlich durch mehroder minder reiche Pressung verziert, wobei sich Namensinitialen, Jahreszahlen,volkstümliche Motive, wie die dreigeteilte Blüte( Tulpe), Rankenornamente,Trauben usw., in die sonstige Ornamentik eingemischt finden. Gravierte Metall-kappen und Abschlußbänder sind eben nicht häufig an den Scheiden angebracht,wohl aber erscheinen mitunter ihre Imitationen in der Pressung des Leders.( Siehe Textabbildung Fig. 1.)
Reich variiert innerhalb eines typischen Dekorationsstiles sind die in Ster-zing hergestellten Bestecke, von welchen das auf Tafel I, Fig. 7-9, abgebil-dete Exemplar mit
Darstellung der 12Apostel auf den
Griffen von Gabelund Messer einenhübschen Reprä-sentanten
abgibt.
Da der Darstellungder sehr reizvollenSterzinger Bein-industrie in diesenBlättern demnächsteine eigene Mono-graphie gewidmetsein wird, beschrän-ken wir uns hierauf die Feststellungdes allgemeinenCharakters der Sterzinger Bestecke: Die typische Zusammenstellung ist dievon Gabel, Messer und Streicher; die Hefte sind regelmäßig beiderseits mitgravierten Beinplatten, davon manche zum Teil polychromiert, belegt. Dar-stellungen auf der einen Seite gewöhnlich figural: Heilige, Frachtwagen, Volks-typen Glossar ::: zum Glossareintrag typen, kleine Szenen, auf der andern Seite fromme oder scherzhafte Sprüche;die Darstellung auf den Griffen der Wetzer: religiöse Symbole( Auge Gottes,Christus- oder Marienmonogramm, Vögel, Blumenzweig). Diese Gleichförmig-keit in der Dekoration der Sterzinger Bestecke deutet auf hausindustrielleMassenerzeugung, die denn auch nachweislich in der 1. Hälfte des 19. Jahr-hunderts stattgefunden hat.
Fig. 2. Beispiele von Zierklingen aus den Alpenländern. Um 1800.2, der natürlichen Größe.
Von sonstigen Erzeugungsstätten und namhafteren speziellen Herstellernder alpenländischen Bestecke sind außer den Werkstätten in Steyr, Tratten-bach, Scharschach, Kleinraming bisher nicht viele Daten festgestellt. Nach denDatierungen der bezeichneten Stücke zu urteilen, liegt die Blütezeit dieser ge-werblichen Arbeit etwa von 1780-1840.