Eine Bärengeschichte aus Upernivik
13
einer Erzählung aus dieser Zeitung, geliefert von einem Schmiedaus der Kolonie Upernivik. Sie wurde mir von ihremAutor mit Hilfe eines Dolmetschers als wahre Begebenheitzum Besten gegeben. Ihr Titel lautet:„ Eine Bärengeschichteaus Upernivik." Ein Bär kam einst im Winter zum Eingangeines Hauses, wollte eindringen, blieb aber stecken, weil derHausgang¹) furchtbar eng war. Es befand sich nur eine Fraumit ihren Kindern zuhause. Diese, rasch gefaßt, schleudertedem Bären von den gerade vorhandenen toten Fischen einennach dem andern in den weitgeöffneten Rachen. Über der gutenFütterung vergaß Meister Petz seine feindlichen Absichten.Doch, als das Mahl vorbei war, erinnerte er sich in schnödemUndank wieder ihrer und wollte durchaus weiterspazieren.Darauf ergriff die wackere Frau ein Stück Holz, das einenNagel trug, und schleuderte es gegen die Nase des Untieres,auf der es stecken blieb. Brummend zog der Verwundete ab,wendete sich einem Steinhaufen zu und begann die dort ver-grabenen Vorräte von Seehundsfleisch auszuscharren, wobei erdie Steine gegen das Haus seiner Peinigerin schleuderte.Endlich ward er durch einen wohlgezielten Schuß eines herbei-eilenden Grönländers niedergestreckt. Solche und ähnlicheBerichte füllen die Spalten der Zeitung. Was dabei Wahrheitund was Dichtung ist, läßt sich bei diesem phantasiereichenVolke kaum feststellen. Im gleichen Verlage ist ein„ Grön-ländisches Holzschnittbuch" mit Zeichnungen aus demLeben der Eskimo Glossar ::: zum Glossareintrag Eskimo, aber ohne Text, ferner ein„ Grön-ländisches Volkssagenbuch" mit grönländischem Text unddänischer Übersetzung erschienen. Das ist außer demalten und dem neuen Testament und einigen Lehrbücherndie ganze grönländische Literatur, die aber trotz ihrer Klein-heit, wie ich mich wiederholt überzeugen konnte, den meistenEingeborenen unbekannt ist. Eine in einiger Entfernung ge-legene Missionsdruckerei besorgt den Druck religiöser Bücher,eine Aufgabe, in die sie sich mit einer Druckerei in Kopen-hagen teilt, die nebenbei auch die wenigen vorhandenenLehrbücher in grönländischer Sprache druckt.
¹) Ein enger niedriger Gang, der die Eingangstüre mit dem Wohn-raume des Hauses verbindet.