Druckschrift 
Die Weihnachtsbräuche der Serbokroaten
Entstehung
Seite
194
Einzelbild herunterladen
 

194

12. Das Einbringen des Badnjaks als Ehrenbezeugung.Schon im obigen Bericht über die Verbrennung des W.- Klotzes in Dubrovnik( 13. Ih.) erscheint dieser als ein Ehrenzeichen, das die Seeleute dem Comesder Stadt zu Ehren verbrennen und in derselben Eigenschaft ist er aus demmittelalterlichen Frankreich bezeugt( S. 178). Dieselbe Rolle spielt er heutein der Boka, wo die zinspflichtigen Bauern ihrem Gutsherrn je einen Badnjakbringen, und in Belgrad, wo dem serbischen König alljährlich am W.- Abendvon der Belgrader Garnison unter Musik und Freudenschüssen mehreregeschmückte Badnjaci ins Schloß gefahren werden. Auch dazu finden wirParallelen in den deutschen Maibaumbräuchen: die Häupter der Gemeinden,die Schloßherren und Pfarrer werden damit geehrt ¹.

-

§. 70. Der Christbaum( s. S. 34). Der geschmückte Lichterbaum ist ausdem deutschen Gebiet zu den Südslawen eingedrungen und lebt hier teilsunter dem deutschen Namen križbam weiter, teils ist( bei Slowenen und inbenachbarten Landschaften Kroatiens) der Name des ausgestorbenen W.- Klotzes,božič, auf ihn übertragen worden. Trotzdem er auch in Deutschland ver-hältnismäßig jungen Datums ist, sind seine Elemente alt: Baumgrün,brennende Lichter und die an dem Baum hängenden Früchte gehören zumBestand der antiken Kalendenfeier 3.

Sehr altertümlich, gewissermaßen wie Vorläufer des Lichterbaums, mutenjene geschmückten Zweige an, die in Kroatien und Slawonien an die Zimmer-decke, an die Haussäule oder auf den Festkuchen gesteckt werden,( S. 34).Für das Alter dieser Sitte spricht der Umstand, daß der Schmuck meist nurin Aepfeln und Nüssen besteht und daß die Kerzen oft fehlen.

§ 71. 6. Wasser.( S.§ 6, 38, 42, 43.) Ueber Wasserbräuche an denrömischen Kalenden hören wir wenig, deshalb ist das Verbot Martins vonBracara, das sich gegen die Quellopfer richtet, panem in fontem mittere,doppelt wertvoll,

Im allgemeinen ist Wasserverehrung der Antike geläufig'; den Nymphenopfert man als Urheberinnen der Vegetation, der Fruchtbarkeit und desHerdensegens; auch die Bienenzucht ist ihnen zu verdanken.Daßden alten Slawen die Verehrung des Wassers nicht fremd war, berichtetuns. Prokopius: Sclaveni fluvios colunt et nymphas et alia numina..."

-

Wünsche bezüglich Fruchtbarkeit, Herden- und Bienensegens finden wirauch an die serb. Wasseropfer der W.- Zeit geknüpft, insbesondere an dieVarica. Den oben(§ 6) geschilderten ganz ähnliche Bräuche berichtet schonVuk 5: In der Boka begleiten sie das Opfer mit einem Gruß:" Guten Morgen,kühles Wasser! Wir geben dir Varica und du uns Zicklein, Lämmer, männ-liche Kinder und von jeglichem Glück!" Auch das Haus bestreuen sie mitdem gekochten Fruchtgemenge und wünschen:" Soviel Männer, Ochsen,Schiffe, Pferde, Bienenstände, Geflügel und Maiskörbe, alles möge wachsenund sich vermehren!" Dann werden auch die Bienenstöcke bestreut: Be-schreier und Beschreierinnen die Gasse hinab, Neider und Neiderinnen dieGasse hinab, Flüchtlinge die Gasse hinab, Moren und Hexen die Gasse hinab,meine Bienen aber ostwärts die Gasse hinauf. Wie das Meer keine Brücke,

1 Sart. SB. III 175. Lit. bei Sart. SB. III 37; Reuschel, II 44: FriedrichKluge vermutet, daß... Indien die Heimat des Lichterbaums sei und daßum die Mitte des 16. Jahrh. die deutsche Uebertragung eines italienischenReiseberichts den Brauch in unseren Landen bekannt gemacht habe.

3 Bilfinger, 62 ff. Vgl. Roscher, Myth. Lex. III 1, S. 515 ff.; Bötticher, Tek-tonik, II 4855 ŽOb. 1.