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Die Weihnachtsbräuche der Serbokroaten
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Scheidung ist für unsere Zwecke aber auch gar nicht notwendig. Nachdemwir gesehen haben, auf welchem Wege der Jahresanfang mit Weihnachtenentstanden ist, d. h. nachdem wir in diesem Jahresanfang eine Einrichtungder römisch- christlichen Kirche erkannt haben, ist es von wenig Belang, obein einzelner Brauch im Boden altrömischer oder mittelalterlich- christlicherNeujahrssitte wurzelt" 1.

Kalendenbrauch und serbischer Weihnachtsbrauch.

§ 60. Die vergleichende Volkskunde lehrt uns, daß jedes Volk ent-lehnte Bräuche mit seiner eigenen Wesensart durchdringt und sie volksmäßigverarbeitet. Diese Verarbeitung geht oft soweit, daß es nach Ablauf einigerJahrhunderte schwer ist, mit Sicherheit zu entscheiden, was urverwandt undwas entlehnt ist.( Vgl. das Verhältnis von Fremdwort und Lehnwort.) So hatman bis in die jüngste Zeit den Anteil der Kalendenbräuche an dem Bestandder heutigen germanischen und slawischen W.- Bräuche unterschätzt und zuviele, ja oft alle Elemente einem hypothetischen Sonnwend- oder Totenfestzugeschrieben. Wie gut die einzelnen Völker Europas die zu ihnen gedrungenenKalendenbräuche durch individuelle Beimischungen verarbeitet haben, sehenwir daraus, daß ihre W.- Bräuche trotz der gemeinsamen Grundlage überallein anderes Bild darbieten.

Bezüglich der heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Slawen wissen wir, daß sie zum Gott Bog,der als gütiger Spender aller guten Gaben eine überragende Stellung einnahm,beteten, daß sie die Natur verehrten( Sonne, Mond und Sterne, Feuer undWasser, Tiere und Pflanzen) und über einen ausgebildeten Totenkult ver-fügten. Auch im Rahmen des Kalendenfestes finden wir Gebete und Opfer,um die Götter günstig zu stimmen, wir finden Verehrung der Sonne( diesnatalis solis invicti), des Mondes, Feuerbräuche, Wasserverehrung( panem infontem mittere), Einbringen grüner Zweige und Bäume. In den Bereich des Toten-kults gehört das Opfer an die Laren des Hauses und das nahe Fest derLarentalia. Daß sich bei dem mit dem Eindringen der Kalendenbräuche inden slawischen Kulturkreis einsetzenden Verschmelzungsprozeß Verwandteszu Verwandtem fügte, sich gegenseitig durchdrang und verquickte, ist selbst-verständlich. Mit Rücksicht auf die lückenhafte Ueberlieferung der volks-mäßigen Kalendenbräuche und der heidnisch Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnisch- slawischen Bräuche und Vor-stellungen ist es heute unmöglich, mit Sicherheit den Anteil jedes einzelnenKulturbereichs festzustellen. Wir können nicht mehr tun, als die Elemente derKalendenbräuche den verwandten Elementen der slawischen Weihnachts-bräuche gegenüberzustellen und mit Berücksichtigung der Terminologie vonungefähr zu sagen, ob antikes oder slawisches Gut überwiegt.

Bei der nun folgenden Gegenüberstellung halte ich mich bezüglich desRahmens und der antiken Bräuche an Bilfinger, 1. c. S. 44 ff.; da dieserbesonders die germanischen Entsprechungen berücksichtigt, kann ich michdiesbezüglich der Raumbeschränkung halber mit Verweisungen begnügenund dafür den slawischen Bräuchen größeren Raum zuweisen.

§ 61. 1. Geschenke, Süßigkeiten, Früchte. Principiis omina inessesolent", sagt Ovid vom 1. Jänner. Da der Verlauf des ganzen Jahres voneinem guten Anfang abhängt, so galt schon im ältesten Rom ein Neujahrs-geschenk für ein günstiges Vorzeichen. Ursprünglich beschenkte man sich,, mit einem Lorbeerzweig aus dem heiligen Hain der Strenia, der

Bilfinger, 99.