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Einleitung.
11. Zur Herkunft und Deutung.
57. Ueber den Ursprung und die Entwicklung des Weihnachtsfestesist seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts eine ziemlich große Literaturentstanden. Es ist das große Verdienst Useners¹, die Entstehung deschristlichen Weihnachtsfestes klargelegt zu haben. Während die christlicheKirche anfänglich die Erinnerung an die Taufe Christi im Jordan, also sozu-sagen seine geistige Geburt, am 6. Januar feierte, legte sie im IV. Jahrhundertdas Geburtsdatum auf den 25. Dezember fest, den Dies Natalis Solis Invicti.In Rom wurde das Weihnachtsfest zum erstenmal im Jahre 354 gefeiert, inKonstantinopel im Jahre 375, in Antiochien 386. Damit entstand ein zwölf-tägiger Festzyklus, eine Freudenzeit, die viele heidnisch Glossar ::: zum Glossareintrag heidnisch- römische Bräuche,namentlich der Kalendae Januariae, der Vota, der Compitalia und der Satur-nalia an sich riẞ. Mit der Ausbreitung des Christentums gelangte das Festzu allen europäischen Völkern und gewann überall eine überragende Bedeutung.Erst im 19. Jahrhundert erregte das Weihnachtsfest, das bei jedemVolke einen dessen Eigenart entsprechenden Charakter angenommen hatte, dasInteresse der gelehrten Forschung. Die Hauptfragen, die sich aufwarfen,waren: Hatte das betreffende Volk ein heidnisches Glossar ::: zum Glossareintrag heidnisches Fest, an dessen Stelledas Weihnachtsfest trat, und woher stammen die volkstümlichen Bräuche, diesich um dasselbe konzentriert haben? So haben zur Entwicklungsgeschichtedes Weihnachtsfestes bei den germanischen Völkern mehrere bedeutendeForscher Stellung genommen. A. Tille und G. Bilfinger bestreiten einheidnisch Glossar ::: zum Glossareintrag heidnisch- germanisches Toten- und Wintersonnwendfest und nehmen an, daßdas heutige Weihnachtsfest in seinen Hauptzügen aus römisch- antiken undchristlichen Wurzeln erwachsen sei. Beide Forscher sind der Ansicht, daßdie volkstümlichen Bräuche von alten Jahresanfangsfesten stammen und sichauf den Weihnachtstag, der zugleich Neujahrstag war, konzentriert haben.Tille sieht den altgermanischen Neujahrstag in Martini, für Bilfinger sind allenichtchristlichen Bräuche Kalenden- und im Mittelalter entstandene volks-tümliche Neujahrsbräuche. Durch die Gegenüberstellung von Kalendenbrauchund Weihnachtsbrauch wirkt seine Beweisführung ungemein überzeugend.Feilberg, Mogk2 und Helm³ sind Anhänger der Seelenfesttheorie. DieAnsichten der genannten Forscher hat Martin P. Nilsson in seinen geistvollenStudien zur Vorgeschichte des Weihnachtsfestes auf Grund des neuestenMaterials überprüft. Die Ergebnisse zu denen er gelangt, sind in kurzenZügen folgende: Die Zeitlage des Weihnachtsfestes ist durch das christlicheFest, also ursprünglich durch den Dies Natalis Solis Invicti, fixiert. DasWeihnachtsfest wurde schon Mitte des VI. Jahrhunderts vom Volk in Frank-reich auf die volkstümliche festliche Weise mit Schmäusen, Tänzenund Liedern gefeiert. Ursprünglich römische Kalendenbräuche, die ihrerseitsum Bräuche der nahegelegenen Saturnalia, Vota und Compitalia, ferner umden dem babylonischen Neujahrsfest entstammenden Narrenkönig vermehrtworden waren, verwuchsen mit keltogermanischen Bräuchen, die sich auchdem Kalendenfest angeschlossen hatten, und anderen einheimischen Bräuchen,die keine bestimmte Zeitlage hatten. Alle diese Bräuche wurden von den Festendes Weihnachtszyklus angezogen( Christtag, dessen Oktave, Dreikönigstag),
1 Das Weihnachtsfest, Bonn 1911. 2 Pauls Grundriß, III2 392.- 3 Alt-germanische Religionsgeschichte, I 295.- Arch. f Rel.-W., 1918, S. 50- 150.