96
In der der Schlafstätte gegenüberliegenden Ecke des Haupt-raumes befindet sich der große kupferne Käsekessel. Dieser Kesselhängt hier nicht wie vielfach anderwärts in deutschen undromanischen Alpenländern an einer kranartigen Vorrichtung ausHolz( Kesselschwinge), sondern ist eingemauert; die Einheize fürden Kessel ist unten in der Mauerung angebracht.( Taf. XXII, Fig. 4.)Neben dem Käsekessel erblickt man die primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Herd-anlage, die aus einer zirka 30 cm tiefen, 1 m langen und ebensobreiten, von drei Seiten von Bänken umrahmten Kochgrube besteht.( Taf. XXIII, Fig. 4.) Als eigentliche Herdstelle dienen nur einige auf-gehäufte Bruchsteine. Hier wird die langstielige Pfanne eingeklemmt,in der das Hauptgericht der Sennen, das Mus( Schmarren), zubereitetwird.
Was die übrige Einrichtung des Hauptraumes der Sennhüttebetrifft, so sind die meisten Gegenstände, die man hier stehen oderhängen sieht, Molkereigerätschaften, so das Drehbutterfaß, welches dasStoßbutterfaß schon längst aus dieser Gegend verdrängt hat, fernerdie Käsebank, die hier keine lokalen Besonderheiten aufweist, derMilchseiher aus Holz, von gleicher Form wie die Milchseiher im Tal( vergl. Taf. XX, Fig. 7), die Melkeimer aus Holz und ähnliches mehr.Zu erwähnen wären noch die etwa 70 cm langen Holzmesser, die zumZerschneiden der geronnenen Käsemasse im Kessel dienen; sie sindab und zu säbelförmig gestaltet und haben keinerlei Verzierung.( Taf. XX, Fig. 10 bis 12.)
Die» tessera«( Kerbhölzer).
Vor etwa 30 Jahren konnte man im Hauptraum einer Münster-taler Sennhütte ein Bündel von kleinen, gekerbten Hölzern finden,das an der Wand zu hängen pflegte. Das waren die sogenannten» tessera«( Kerbhölzer), die zur Kontrolle der abgelieferten Brot-menge gebraucht wurden.
Da der alpwirtschaftliche Betrieb im Münstertal genossenschaft-lich ist, war jeder Alpgenosse früher verpflichtet, für je eine Kuhvier Pfund Brot an die Sennen und Hirten auf der Alpe zu liefern.Dies geschah in folgender Weise: Etwa 10 Tage nach der Alpfahrt,gegen Mitte Juli, wurde die Milch zum erstenmal gemessen.¹) Anläẞlichdieses wichtigen Ereignisses versammelten sich oben alle Alpgenossenund, nachdem die Milch fertiggewogen war, schnitzte sich jeder, sogut er konnte, ein etwa 15 cm langes und 3 cm breites, flaches Hölzchenzurecht und schnitt darauf oben seine Initialen ein.( Taf. XXIII,Fig. 1 und 2.) Das waren die zuvor erwähnten» tessera«<. Der Sennenahm nun sämtliche» tessera« in Empfang und zog sie auf einerSchnur auf, und zwar in der gleichen Anordnung, in der die Häuser
1) Die Milch wurde damals nur zweimal im Sommer gemessen: nach der Alp-fahrt und Mitte August. Heute findet das Milchmessen auf den Alpen in Abständen vonje 14 Tagen statt.