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Bei der Aussaat des Getreides gibt man die Samen in einen ausWeidenruten geflochtenen, wenig vertieften Saatkorb( terna da sem),den man während der Arbeit über die Schulter zu hängen pflegt.( Taf. XX, Fig. 18.) Nach den Aussagen der Einheimischen waren die» terna« früher kleiner und topfförmig gestaltet.( Taf. XX, Fig. 17.)Solche» terna« sieht man auch heute noch im Münstertal; sie werdenjedoch nur als Behälter für Eier oder dergleichen mehr gebraucht.
Die gegenwärtige Form des Münstertaler Saatkorbes ist auchim Obervintschgau und im Engadin verbreitet.
Zum Dreschen von Getreide benützt man im Münstertaleinen zweiteiligen Dreschstock( pal).
Er besteht aus einer etwa 90 cm langen, runden Walze, in die ein gebogener Stieleingelassen ist.( Taf. XX, Fig. 16.) Dieses Dreschgerät, das im Engadin, im Albulatal undin einigen anderen Bündner Gegenden gleichfalls gebraucht wird, findet sich auch sonstvielfach in den Alpenländern wieder, so zum Beispiel im Salzburgischen( Lammertal, Oberpinz-gauer Gegend) und in Tirol( Zillertal). Im Obervintschgau kommt diese Art der Dresch-stöcke nicht vor; allgemein wird hier neben den Dreschmaschinen der bewegliche Dresch-flegel verwendet.
2. Die Viehzucht und der alpwirtschaftliche Betrieb.
Wenn auch dem Ackerbau in unserem Tale eine größereBedeutung zukommt als in SO manchen anderen hochgelegenenGegenden, so bildet er doch nicht die Hauptbeschäftigung der Münster-taler; denn die schönen Wiesengründe und die üppigen Alpenweidenverweisen den Münstertaler von Anfang an darauf, sich vornehmlichder Viehzucht und der Alpwirtschaft zuzuwenden.
Die Wiesenwirtschaft.
Die Bedingungen für die mit der Viehzucht eng verbundeneWiesen wirtschaft sind im Münstertal weitaus günstiger als in vielenanderen Hochtälern. Ein großer Teil der Mähwiesen befindet sichnämlich in der Talsohle oder in geringer Höhe; die übrigen Wiesen-gründe breiten sich um die hochgelegenen Ortschaften auf relativsanft ansteigendem Gelände aus und sind daher leicht zugänglich.
Auf den Alpen wird ein kleines, eingezäuntes Grundstück nebender Sennhütte als Mähwiese belassen, damit das Vieh für die Tage,an denen es nicht im Freien verweilen kann, etwas Futter im Vorrathat. Alle übrigen Matten dienen jedoch ausschließlich als Weiden.,
Unter diesen Umständen gibt es im Münstertal eigentlich keinWildheu, somit auch keine Heubeförderung im Winter. Die ganzeHeuernte wird bereits im Sommer in die gewöhnlich mit dem Hausverbundene Scheune eingebracht. Dabei werden keine besonderenGeräte zum Tragen des Heus verwendet; man bindet es hier, wie fastin ganz Graubünden, in große viereckige Tücher( pons, Blachen) undträgt die Last entweder auf dem Kopfe oder ladet mehrere Bündelauf einen Wagen.