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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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nachzuweisen versucht.') Th. Baudon führt 12 Steinlampen an, diedem Paläolithikum, dem Neolithikum und der Bronzezeit angehörensollen und französischen, englischen und schweizerischen Fundortenentstammen.²)

IV. Das Wirtschaftsleben.

1. Der Ackerbau.

Das gegen Norden gut geschützte Münstertal zeichnet sich durchein für diese Seehöhe außerordentlich mildes Klima aus. Noch inValcava( 1410 m) gedeihen Äpfel und in St. Maria( 1388 m) findet manim Freien nebst schönen Rosenkulturen Pflaumen und Kirschen.Diese günstigen klimatischen Bedingungen sowie auch der frucht-bare Boden der zahlreichen Schuttkegel dieses Tales bewirken, daßder Ackerbau eine wesentliche Rolle im Wirtschaftsleben der Münster-taler spielt.

Am meisten Getreide wird im unteren Münstertal( Taufers und Münster) angebaut,aber auch in St. Maria reift noch Weizen nebst Roggen, Gerste und Hafer. In den übrigenhöher gelegenen Ortschaften des Münstertales gedeihen nur die drei letzterwähnten Ge-treidearten. Da der Flachsbau in Mitteleuropa bekanntlich bis zur Höhe von 1500 m reicht,wird auch im Münstertal, insbesondere in den vier untersten Gemeinden, verhältnismäßigviel Flachs angepflanzt; die Flachsbereitung bietet nichts dieser Gegend speziell Eigen-tümliches.

Die Grenze der Getreideäcker liegt im Münstertale recht hoch. Beim Hof Terza( 1842 m) gedeibt die Gerste noch so gut, daß sie als die beste im Tal gilt, und auf demPlateau von( 1918 m) wird außer Kartoffeln ziemlich viel Getreide angebaut.

Von den Ackerbaugeräten ist vor allem der sogenannte» starschin« oder» strusch« zu erwähnen, der früher im Münstertalzum gleichmäßigen Verteilen des Mistes auf frisch gedüngten Äckernund Wiesen benützt wurde.( Taf. XX, Fig. 13.) Heute wird er jedochnur mehr selten gebraucht, da man bereits modernere Gerätschaftenzu diesem Zweck besitzt.

Der eggenförmige, stars chin" besteht aus einigen dicken, durchlöcherten Brettern;in die dicht nebeneinander angebrachten Löcher sind Büschel von Tannenreisig gesteckt,die beliebig erneuert werden können. Durch das Schleifen des Gerätes auf dem Boden,die mit Reisig bedeckte Seite nach unten gewendet, wird der Mist gleichmäßig auf demFelde verteilt.

Auch im Engadin und im ganzen Obervintschgau ist das gleiche Gerät verbreitet.In der erstgenannten Gegend heißt es, Schmain", in der zweiten Mistkogel".

Neben der bereits geschilderten Form dieses Gerätes kommt, insbesondere im Ober-vintschgau, noch eine andere vor. Bei dieser sind auf einem von zwei Längs- und vierQuerhölzern gebildeten Gerüst dünne, reich verästelte Tannenzweige angenagelt.( Taf. XX,Fig. 14.) Ein ganz analoges Gerät( Patzenegge genannt) fand ich im Salzburgischen( Lammer-tal) vor.³) Es wäre noch festzustellen, ob dieses Feldgerät auf der Strecke vom Engadinund Obervintschgau bis Salzburg überall vorkommt oder nur stellenweise auftritt.

1) L. Rütimeyer Über einige archaistische Gerätschaften und Gebräuche im KantonWallis etc. S. 39.

2) Th. Baudon: Des lampes en pierre taillée et en terre cuite des epoques paléo-lithique, néolithiqu et de l'age de bronze. Beauvais( 1911).

3) E. Goldstern, a. a. O. S. 17.