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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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2. Neuere Holzschnitzerei.

Genrefiguren. Eine andere, neuere Art der Holzschnitzerei,die ihre Motive nicht, wie bei den vorhin geschilderten Objekten,aus dem religiösen, sondern hauptsächlich aus dem Alltagslebenschöpft, sind die in Bessans verfertigten Spielsachen aus Holz. Diesewurden bis vor dem Kriegsausbruch vom letzten Nachkommen des altenBessaner Holzschnitzergeschlechtes namens Vincendières hergestellt.Vorwiegend sind es Spiel- oder Genrefiguren, wie sie die Spielwarenerzeugende Hausindustrie in den Alpenländern seit etwa Mitte des19. Jahrhundertes kennt. Die Bessanerinnen werden in ihrer National-tracht bei Verrichtung verschiedener Hausarbeiten, wie Spinnen,Butter schlagen( Taf. XIN, Fig. 5 und 7), Wäsche waschen, dieBessaner wiederum als Jäger mit ihrer Beute, als Paten mit demKinde und dergleichen mehr, dargestellt. Auch Wiegenkinder werdenmit Vorliebe geschnitzt, desgleichen Vögel und Haustiere, vor allemder treue Freund und stete Begleiter der Bessaner, der Esel.X( Taf. XIV, Fig. 3.)

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Diese bunt bemalten Spielsachen, insbesondere die Genrefiguren,sind trotz ihrer primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Ausführung recht ausdrucksvoll.

Bessaner Teufel. Das eigenartigste Erzeugnis der neuerenHolzschnitzerei in Bessans ist der vierhörnige Teufel, welcher nachAussagen der Bessaner von einem Ahnen des gegenwärtigenSchnitzers als Schreckmittel für unartige Kinder ersonnen wurde.Es ist also der Bessaner» Krampus«. Später, bei zunehmendemFremdenverkehr in Bessans, ist der Teufel gleich den geschildertenSpielsachen hauptsächlich ein Artikel der Fremdenindustrie ge-

worden.

Der Teufel von Bessans ist in der Regel 35 cm hoch und zumeist hellgelb oderschwarz bemalt. Auf diesem Hintergrund sind allerorts in gleichen Abständen zungen-artige rote Flecken, die die Höllenflammen darstellen sollen, aufgetragen. Aus dem Rückenwachsen zwei große Flügel hervor, deren Farbe zumeist von der des Körpers abweicht.( Taf. XIV, Fig. 1, 2, 6.) Der mit Runzeln bedeckte schauerliche Kopf wirkt noch ab-schreckender durch spitze Ohren und ein riesiges, weit aufgesperrtes Maul mit fletschendenZähnen und ausgestreckter Zunge. In der einen Hand pflegt der Teufel eine zweizackigeGabel, in der anderen einen Höllenkandidaten oder eine Kandidatin in der Nationaltrachtzu halten. Durch das Ziehen an zwei unten auslaufenden Schnüren kann der Schweifund die rechte Hand des Teufels bewegt werden.

Das besondere Unterscheidungsmerkmal des Bessaner Teufels sind die zwei PaarHörner. Das eine hakenförmige Hörnerpaar( aus Eisen) befindet sich an der Stirn, dasandere Paar( aus Holz) ist zugespitzt und wächst aus dem Scheitel hervor. Zuweilen istunten eine Aufschrift angebracht, wie zum Beispiel: A mois les féneant!( à moi lesféneants).

Nicht immer erscheint der Bessaner Teufel als siegreicher Be-herrscher der armen Seelen, sondern hie und da auch als Höllen-fürst, welcher der Macht des Himmels nicht widerstehen kann.Diese abweichende Konzeption kommt in einer Darstellung desWiener Zeitschrift für Volkskunde. XXVII. Ergänz.- B. XIV.

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