.62
Manche dieser Salzbehälter sind in getreuer Nachahmung der betreffenden Vogelartin Kerbschnittechnik bis ins Detail ausgeführt( Taf. XI, Fig. 8); bei anderen ist nur der Kopfnaturgetreu dargestellt, während die Körperumrisse bloß angedeutet sind.( Taf. XI, Fig. 6 u. 9.)Zuweilen ist der Vogel nur roh ausgeführt.( Vergl. hiezu auf Fig. 3 den über demKaminherd hängenden Salzbehälter.) Der gewöhnlich mit Kerbschnitt verzierte und umeinen durchgehenden Holzstift drehbare Deckel des Salzbehälters ist häufig zum Aufhängenmit einem Bügel versehen.
Leider sind diese eigenartigen Salzbehälter heute in Bessansim Verschwinden begriffen, denn die alten Exemplare, die durchgleichgeartete neue nicht ersetzt werden, sind in den letzten Jahrenverbrannt oder gar den Kindern als Spielzeug überlassen worden.Nur mehr in einzelnen alten Häusern sieht man noch ab und zu inder Küche einen solchen vogelförmigen Salzbehälter; er pflegt aufseinem traditionellen Platz, nämlich über dem Kaminherd, zu hängenoder neben dem Kamin zu stehen.
-
Ganz ähnliche Salzbehälter manchmal stellen sie Gänse und Enten darfindet m n in einigen seitlichen Hochtälern der Mittleren Maurienne, wie Vallée des Arvesund Vallée des Villars. 1)
Was das Vorkommen derartiger Objekte in den anderen Alpenländernbetrifft, so weiß ich nur noch von einem entenförmigen Holzgefäß aus Tirol zuberichten, welches in Peasant Art in Austria and Hungary" 2) als Eierbehälter bezeichnetist.( Taf. XI, Fig. 3.) Es besitzt, wie die Bessaner Behälter, éinen Holzdeckel, der umeinen durchgehenden Stift drehbar ist. Auch die sonstige große Ähnlichkeit diesesTiroler Gefäßes mit den oben geschilderten savoyischen veranlaßt mich, mit ziemlicherWahrscheinlichkeit anzunehmen, daß wir hier gleichfalls eine altertümliche Form des Salz-behälters vor uns haben. Die angebliche Verwendung dieses entenförmigen Gefäßes alsEierbehälter dürfte wohl nur zufällig sein.
Über das sonstige Verbreitungsgebiet derartiger Salzbehälter in Europa weiß manvorderhand nicht viel. Nach dem Lexikon Larousse 3) kommen sie auch in Perm( Nord-rußland) vor und zeigen hier eine auffallende Übereinstimmung mit den geschildertenGefäßen aus Bessans.( Taf. XI, Fig. 4.)
Was das Alter der savoyischen vogelförmigen Salzbehälterbetrifft, so stammen sie nach den darauf eingeschnittenen Jahres-zahlen zumeist vom Anfang des 18. Jahrhundertes. Vermutlich reichenjedoch diese Holzgefäße viel weiter, bis ins Mittelalter, möglicher-weise bis in die altchristliche Zeit zurück. Es ist selbst nicht aus-geschlossen, daß gewisse Zusammenhänge mit den prähistorischenGefäßen von ähnlicher Form nachzuweisen wären.
Das Salz spielt bekanntlich eine bedeutende Rolle im religiösen Kultus.
Bereits beim alttestamentarischen Speiseopfer verwendet, gilt das Salz auch imchristlichen Kultus wegen seiner würzenden, erhaltenden Kraft als Symbol der Weisheit,der Dauerhaftigkeit und der sittlichen Unversehrtheit. Diese symbolische Bedeutung desSalzes liegt auch seiner Verwendung in der Liturgie zugrunde. 4)
So zum Beispiel findet das Salz bei der Taufe, der Weihe des Weihwassers sowiedes sogenannten Gregoriuswassers bei der Kircheneinweihung Verwendung.
1) Leandre Vaillat, a. a. O. S. 188. E. Canziani Costumes, traditions et songsof Savoy. London 1911.
2) The Studio, London 1911, Fig. 123.
Russie" in Grand Larousse Illustré.
Wetzers und Weltés Kirchenlexikon. Freiburg i, B. 1897, Bd. 10, S. 1856.