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besorgten in Bessans nur mehr einzelne Bauern die Weberei undheute gibt es hier bloß einen Tuchweber, den einzigen in der ganzenHohen Maurienne.
Das allmähliche Zurückgehen dieses Zweiges der Hausindustrie wurde dadurchbewirkt, daß man die Kleiderstoffe seit dem Verschwinden der alten Tracht immer mehrin der Stadt oder bei den Hausierern einkauft. Heute werden nur noch einige Werktags-kleider, besonders für den Winter, aus hausgewebtem Tuch hergestellt. So kommt es,daß der Weber, der früher, da er auch zahlreiche Kunden aus der Umgebung hatte,während des ganzen Jahres beschäftigt war, gegenwärtig kaum zwei Monate braucht, umsämtliche Aufträge seiner Kunden zu erledigen.
Gegen die Mitte des Januars stellt er seinen primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven altertümlichen Webstuhl inder Stallwohnung auf und arbeitet bis März; dann wird der Webstuhl auseinander-genommen und der Rahmen dient nun als Verschlag für die Kälber. Der Weber webtvor allem Bettdecken, Decken für Esel und Ma ltiere und Tuch für Beinkleider undGamaschen. Gesponnene Wolle wird von jedem Haushalt beigestellt; der Arbeitslohnbetrug vor dem Kriege 25 cent. per Meter.
Aus den Abfällen der Wolle machte man früher vielfach aufeinem eigens dazu bestimmten Gerät dicke Fäustlinge. Dieses Gerätbesteht aus einem 35 cm langen Brettchen, das an einem Ende ab-gerundet und mit kleinen Einschnitten versehen ist; am anderen Endehat das Brettchen einen Griff, der durch eine Holzscheibe durch-gesteckt ist. Am unteren Rand dieser Scheibe sind so viele kleineHolzstifte angebracht, als es oben Einschnitte gibt.¹)( Taf. VI, Fig. 2)
Bei der Arbeit wird in folgender Weise verfahren: Man befestigt links unten andem ersten Holzstift einen langen Faden, zieht ihn oben durch den ersten Einschnitt,führt ihn auf der Rückseite des Brettchens wieder hinab und wickelt ihn um den nächstenHolzstift fest Dann zieht man den Faden wieder nach oben, führt ihn durch den nächstenEinschnitt, befestigt ihn unten am nächstfolgenden Holzstift und so fort, bis das ganzeBrettchen auf beiden Seiten von parallel verlaufenden Fäden überzogen ist. Dies bildetsozusagen die Kette des Gewebes; der Einschlag wird, von oben begonnen, mit der Handhineingeflochten, und zwar verwendet man hiezu ganz kurze Fäden.( Taf. VI, Fig. 3.) DieEnden dieser Fäden werden nicht abgeschnitten und bilden einen Flausch auf der Innen-seite des Fäustlings. Als Aufputz für die Manschette zieht man einige blaue und roteFäden durch. Der Daumen wird auf einem gleichen, nur entsprechend kleineren Geräthergestellt und dann an den Fäustling angenäht.
Leinen we berei. Außer dem Tuchweber gibt es in Bessansnoch zwei Leinenweber. Die Bessaner bauen keinen Flachsan, sondernsie beziehen ihn von der Unteren Maurienne und jede Haushaltung ver-arbeitet und spinnt ihn selbst. Das hausgewebte Leinen ist ganz grobund wird für Bett- und Leibwäsche verwendet; außerdem wird einebraun- oder grauweiß gestreifte Leinwand für Schürzen hergestellt.
Das Spinnen von Flachs und Wolle wird von den Frauen im Winter besorgt. Früherverwendete man dabei Spindeln, jetzt hat man aber ausschließlich Spinnräder, die zu-weilen schön geschnitzt sind.( Vergl. Taf. XI, Fig. 1 u. 2.)
An den langen Winterabenden pflegen die Frauen abwechselnd bei Nachbarn zu-sammenzukommen, um gemeinsam ihre Spinnarbeit zu verrichten. Solche Spinnabende( veillées) gestalten sich zuweilen recht stimmungsvoll, besonders wenn sie in einer alten,
1) Man findet das gleiche Gerät für Herstellung von Fäustlingen und ein ganzähnliches Arbeitsverfahren bei den Ruthenen in Galizien.
Wiener Zeitschrift für Volkskunde. XXVII. Ergänz.- B. XIV