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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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daß diese Art der Grenzbezeichnung sehr alt sei; dafür spricht auch der Umstand,daß wir ihr im Südosten von Rußland, im Gouvernement Ribinsk( Jeremejsefsky Wolost)begegnen, wo sich alte Überlieferungen sehr gut erhalten haben. 1) Um hier die Grenzezwischen zwei Dörfern oder zwei privaten Grundstücken zu bezeichnen, macht man ineinen großen Stein oder in einen Baumstamm drei bis fünf dicke Einschnitte, manchmalauch Kreuze daneben.

Ackerbaugeräte. Die Ackerbaugeräte, die man in Bessansverwendet, sind größtenteils recht primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiv. Der Pflug( awa), derhier noch von der Mehrzahl der Bevölkerung gebraucht wird, hateigentlich seit alter Zeit wenig Veränderung erfahren.

Er ist ganz aus Holz und setzt sich aus drei Teilen zusammen aus der Pflugschar,der Sterze und der Deichsel. Die Pflugschar ist zirka 40 cm lang und besteht aus einemkeilförmigen, innen ausgehöhlten Holzklotz, dessen Spitze mit einer Eisenkapsel versehenist. In die zirka 25 cm hohe Rückwand der Schar ist die Sterze eingelassen und dielange Deichsel darin eingefügt; diese wird an ein Joch befestigt, das gewöhnlich voneiner Kuh und einem Esel gezogen wird.

Wenn der Bessaner zur Feldarbeit auf dem Esel hinausreitet,pflegt er den Pflug auf der Schulter und das massive Joch auf denKnien zu halten.( Taf. VIII, Fig. 3.)

Daß dieser primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Pflug auch heute noch in Bessans fastallgemein im Gebrauche ist, läßt sich sowohl durch die Entlegenheitdieser Gegend als auch durch die relativ geringe Bedeutung, die hierdem Getreidebau zukommt, erklären. Es gibt in der ganzen Gemeindekaum zehn Bauern, die mit Eisenpflügen ackern.

Es ist vielleicht von Interesse, daß ein Bessaner eine Verbesserung des geschildertenalten Pfluges erdacht hat, die bereits mehrere Anhänger gefunden hat.( Taf. VIII, Fig. 4.)Die verkürzte Deichsel ruht hier auf einem verstellbaren einrädrigen Vorderwagen, ähnlichwie bei Häufelpflügen; die Deichsel trägt vorne eine Wagscheid, an die das Zugtierangespannt wird. Bei dieser verbesserten Form des Pfluges wird also kein Joch verwendetund darin besteht wohl der wesentlichste Teil der Neuerung.

Bei den Äckern, die auf Abhängen liegen, kommt es oft vor, daßdie Humusschicht fortgeschwemmt wird und künstlich ersetzt werdenmuß. Um nun den Humus auf die hochgelegenen Äcker zu befördern,gibt man ihn in offene Holzkisten, die man zu beiden Seiten des Pack-sattels einem Esel auflädt. Der Boden jeder Kiste ist durch Scharnierezum Aufklappen eingerichtet und wird mit einer verschiebbarenEisenstange geschlossen. Sobald man an Ort und Stelle angelangtist, wird die Eisenstange entfernt und auf diese Weise die Kistegeleert.

4. Weberei.

Tuchweberei und Herstellung der Fäustlinge.

Ehemals wurde in Bessans das Tuch in den meisten Haus-haltungen selbst hergestellt, wie dies auch heute noch in einigenentlegenen Hoch tälern der Schweiz geschieht, zum Beispiel in Vald'Hérens, Val d'Anniviers, im Lötschental( Kanton, Wallis). Später

1) Ethnographitscheskoje Obosrenje( Ethnographische Rundschau), Moskau 1892.