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Hochgebirgsvolk in Savoyen und Graubünden : ein Beitrag zur romanischen Volkskunde
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3. Ackerbau.

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wie

Der Ackerbau spielt im Wirtschaftsleben der Bessanerwohl der meisten Gebirgsvölker nur eine untergeordnete Rolle;die Ackerfelder nehmen im ganzen etwa 6 Prozent des Gesamtarealsein. Diese mangelhafte Entwicklung des Ackerbaues kann man wohlin erster Linie durch das rauhe Klima von Bessans erklären; dasGetreide erfriert oft, bevor es geschnitten werden kann. Außerdemist der Boden in der Talsohle zum größten Teil sandig und somitfür den Getreidebau ungünstig.

Seit etwa 20 Jahren hat man begonnen, Äcker in Wiesen um-zuwandeln, denn die Bessaner finden es vorteilhafter, das Getreideaus St. Jean de Maurienne dem Hauptort der Maurienne oder

aus der Unteren Maurienne zu beziehen, als ihr Vieh wegen desFuttermangels über den Winter fortzuschicken. Auf diese Weise hatin den letzten Jahrzehnten die Anzahl der Äcker in Bessans etwaum ein Drittel abgenommen.

In Bessans gedeihen außer Kartoffeln nur Roggen, Gerste undHafer.

Es gibt hier zwei Arten von Roggen: Sommerroggen mit kurzen Ähren und Winter-roggen. Ersteren sät man Ende April oder Anfang Mai aus und nennt ihn, tremeis",das heißt, nach drei Monaten zu ernten", doch wird er nie vor September eingebrachtund erfriert nicht selten auf dem Felde.

Der Winterroggen wird im Juli oder August ausgesät. Die Saat erreicht im Herbsteine Höhe von etwa 20 cm, heißt dann, brolle" und dient bis zum Schneefall als Weidefür die Schafe; die Ernte findet erst im September statt.

Die Getreidefelder liegen im Haupttale zum größten Teil auf den sonnigen Gehängender rechten Talseite; die Äcker reichen hier bis 1800 m und auch etwas darüber.

Im Quertale Averole wird das Getreide ausschließlich auf der rechten Talseite umdie Weiler Vincendières und Averole herum angebaut. Da Averole 2035 m hoch liegtund die Äcker sich noch etwa 50 m oberhalb der Ortschaft hinaufziehen, kann man sagen,daß die Grenze der Getreidefelder in der Gemeinde Bessans etwa bis 2100 m hinaufreicht.Trotz dieser hohen Lage gedeihen hier auf sonnigen Halden Hafer, Gerste und Roggen;dieser wird hier 1 m hoch und soll, wie die Bessaner behaupten, kräftiger sein als derunten im Haupttale wachsende.

Grenzbezeichnungen für Matten und Äcker.

In Bessans pflegt man Äcker- und Mattenparzellen auf verschiedeneArt voneinander abzugrenzen.

Entweder macht man zu diesem Zwecke 20 bis 30 cm hohe Erdhügel( raboha) oderman legt dicht nebeneinander Schieferplatten( lauzés), oder man führt schließlich bis 1-50 mhohe Mauern aus Bruchstein auf, die auch die Grundstücke vor dem Vieh schützen sollen.Bei neu angelegten Wiesen oder dort, wo man einen bösen Nachbar fürchtet, zieht manzur Abgrenzung eine schmale Wasserrinne( cenado). Eine andere Art der Grenzbezeich-nung besteht darin, daß man in Abständen von 2 bis 3 m Löcher gräbt, die saut" oder, motto" genannt werden.

Wenn die Grenzäcker an einen großen Stein, einen Felsen oder an eine Mauerstoßen, dann werden darin drei fingerbreite Einschnitte( petses) gemacht, um die Grenzefür den Fall einer Verschiebung zu legalisieren.

. In Vincendières und in Averole, wo der Boden sehr steinig ist, bezeichnet man dieGrenzen überhaupt nur durch Einschnitte in Felsen und Steinen. Die Bessaner behaupten,